|
Oberstleutnant Bernhard Sommer, Hauptfeldwebel Alexander Peters
 |
| Oberstleutnant Rainer Czerwonka
mit einer bewegenden Abschiedsrede |
Mit einer außerordentlichen Bilanz verabschiedete
sich Oberstleutnant Rainer Czerwonka mit seinem letzten Flug am 27.
September 05 aus seiner fliegerischen Laufbahn. Nach über drei
Jahrzehnten Fliegerei und mehr als 7000 Flugstunden auf der Transall
C-160, schied er mit Ablauf des 30. September 05 aus dem aktiven Dienst
aus. Seine Nachfolge als Leiter der Standardisierungsgruppe des Lufttransportgeschwader 63
tritt damit Major Kieker van Lindt an.
Vor den mehr als 100 geladenen Gästen bedankte
sich Oberstleutnant Czerwonka für die stets loyale und kameradschaftliche
Mitarbeit, vor allem aber für den bewundernswerten Teamgeist,
der ihm entgegen gebracht wurde.
Teamfähigkeit und Kameradschaft wurden Oberstleutnant
Czerwonka auch von seinen Gästen bescheinigt. So verwundert es
auch nicht , dass Generalmajor Tüttelmann, mit dem er gemeinsam
die Grundausbildung absolvierte, es sich hat nicht nehmen lassen,
persönlich an der Verabschiedung des verdienten Stabsoffiziers
teilzunehmen. Ich blicke positiv in die Zukunft und bin darauf
gespannt, wie sich der neue Alltag für mich darstellt,
meinte Oberstleutnant Czerwonka. Dass ich jetzt nicht mehr
fliegen werde, wird mir wahrscheinlich erst später bewusst.
Sichtlich ergriffen war er, als ihn die Kommandanten
der 1. Staffel, einer guten alten Tradition folgend, aus ihren Reihen
mit einem Geschenk verabschiedeten. Jetzt werden mir die Knie
schon weich, gab er zu, als er das Geschenk, einen Modellnachbau
der Junkers JU 52 aus den Händen des stellvertretenen Staffelchefs,
Oberstleutnant Volker Scholz, entgegennahm.
Nach dem offiziellen Teil nahmen die ehemaligen
Weggefährten von Czerwo dann noch die Gelegenheit
wahr, die guten alten Zeiten aus der Erinnerung wieder
aufleben zu lassen. Oftmals wurde dies durch ein leichtes Schmunzeln
quittiert, wenn auf der Videoleinwand im Rahmen einer Diashow Bilder
aus dem Fliegerleben des angehenden Pensionärs gezeigt wurden,
auf denen sich so mancher mit vielleicht nicht ganz so ergrautem Haar
wiedererkannte.
Bereits am 22. September war Oberstleutnant Rainer
Czerwonka im Beisein seiner Frau Gitta als ältester Soldat
des Verbandes während des Dining In/Out vom Kommodore Oberst
Helmut Frietzsche aus dem Kreis der Offiziere verabschiedet worden.
In seiner Laudatio würdigte der Kommodore die Leistungen des
verdienten Stabsoffiziers und ließ den Werdegang, der im Januar
1967 mit der Einstellung als Offizieranwärter in Fürstenfeldbruck
begann, Revue passieren. Bereits 1978 erstmals in das Geschwader in
Hohn versetzt, verbrachte er bis auf die Verwendungen beim LTKdo und
bei den Vereinten Nationen in New York die meisten Dienstjahre im
LTG 63. Von hier aus nahm er an vielfachen Einsätzen, u.a. im
RAMCC in Italien und an Einsätzen der Krisenunterstützungsteams
teil. Mit den folgenden Worten erinnerte sich Oberstleutnant Rainer
Czerwonka seiner Dienstzeit, bedankte und verabschiedete sich damit
aber auch bei allen Angehörigen des Lufttransportgeschwaders
63:
Ich stehe heute vor Ihnen und bin zutiefst
dankbar dafür, dass ich bis zum letzten Tag meiner Dienstzeit
fliegen kann und dass ich in meinem beruflichen Leben auch aktiver
Zeuge von politischen und militärpolitischen Veränderungen
weltweit sein konnte.
In den 70er und 80er Jahren waren wir Lufttransporter
(auch Air Lifter genannt) bei internationalen Einsätzen
auch als Engel der Lüfte bekannt etwa bei
Katastropheneinsätzen in Europa, Afrika und auch Asien (Pakistan).
Mit Beginn der 90er Jahre wurden wir dann Mittel der Außenpolitik.
Wiedervereinigung in Deutschland, 1. Golfkrieg, bei dem wir noch in
der zweiten Reihe Lufttransporteinsätze für Amerikaner und
Briten in Europa übernahmen, zaghafte Schritte unter dem Hut
der Vereinten Nation z.B. die Verlegung von Sanitätspersonal
nach Kambodscha. Diese habe ich übrigens aus dem Hauptquartier
der UN in Manhattan mit meinem UN-Hut aus geleitet. Es kam die Balkan-Krise.
Flüge nach Sarajewo waren an der Tagesordnung zunächst
Absetzen aus großen Höhen unter Bedrohung, später
und bis heute Versorgungsflüge. Als Folge des 1. Golfkrieges
übernahmen wir von der UN gechartert den Transport
der UN-Inspektoren in den Irak von Bahrain aus. Ich selber habe noch
die brennenden Ölfelder in und um Kuwait gesehen und die Auswirkungen
der damals modernen Präzisionswaffen wie z.B. einzeln
identifizierte zerbombte Häuser in großen irakischen Militärcamps.
Diese Entwicklung gipfelt in dem weltweiten Engagement der Bundeswehr
wie z.B. am Horn von Afrika (Djibouti), auf dem Balkan oder in Afghanistan.
Der 11. September 2001 mit den verabscheuenswürdigen Attentaten
in Amerika war eine Zäsur im Denken und Handeln der freien Welt-
und Wertegemeinschaft. Der Terrorismus wurde weltweit brutal zum zentralen
außenpolitischen Thema.
Wenn wir mal gedanklich bei der Stationierung unserer
Besatzungen in Termez und anderer BW-Angehöriger in Afghanistan
verweilen, stellen wir folgende Dinge fest:
- Diese Aufgaben finden unter extremen Bedrohungsszenarien statt
- es hat inzwischen tote deutsche Soldaten in den Einsatzräumen
gegeben
- man hat mittlerweile nationale und internationale Befehlsstrukturen
installiert, die manchmal schwer über- bzw. durchschaubar geworden
sind.
Solche Strukturen die häufig nicht
schlank sind haben nicht immer zwingend zur Folge, dass z.B.
der Flugbetrieb in AFG effektiver gestaltet werden kann eher
das Gegenteil ist der Fall, wie wir gerade wieder erfahren haben.
Die NATO und im Besonderen die Bw befinden sich
bedingt durch internationale Entwicklungen in einem
nie da gewesenen strukturellen Umbruch. Weg von trägen Großverbänden
und hin zu beweglichen Eingreifkomponenten, die jederzeit für
eine bestimmte Krise zusammengestellt werden können (siehe NRF).
Unsere Aufgaben werden immer komplexer, die Ansprüche
an unsere Besatzungen werden anspruchsvoller. Bedauerlicherweise müssen
wir feststellen, dass die Ausstattung mit entsprechendem Handwerkszeug
häufig nur schleppend angepasst wird. Übungsmöglichkeiten
zur Erhaltung von Fähigkeiten werden manchmal beschnitten. Die
hohe Auftrags- und Vorhabendichte geht häufig bis an die verantwortbaren
Grenzen.
Diese Situation spüren wir auch hautnah im
eigenen Verband. Gepaart mit anderen gesellschaftlichen und sozialen
Parametern führt dies nicht selten zur Demotivation. Der vielbeschworene
Teamgeist kann dadurch beschädigt werden.
Nun ist es aber kein Gebot der Stunde, den Kopf
in den Sand zu stecken und festzustellen: Es geht vieles nicht mehr
oder es geht nur schwerlich! Ich hüte mich davor zu sagen: Früher
war alles besser. Richtig ist: Früher war vieles anders manchmal
auch einfacher. Heute ist vieles auf dem richtigen Wege. Schwierige
Zeiten erfordern um so mehr mutiges und verantwortliches Handeln.
Besonders schwierig ist es heute für das militärische Führungspersonal.
Sehr oft muss verständlich zwischen dem äußeren Druck
und der Durchsetzbarkeit vermittelt werden. Dazu bedarf es einer Transparenz
und dem gegenseitigen Verständnis. Diese Entwicklung darf aber
nicht dazu führen, dass wohlgemeinte Leitsätze als Beweis
des Gegenteils bemüht werden. Führung muss immer gepaart
bleiben mit Sachverstand und sachlicher Kompetenz: Dieses ist vorhanden.
Man muss es nur zielorientiert abrufen. M.E. liegen bei uns noch Ressourcen
brach. Des Weiteren vermisse ich manchmal eine gesunde Streitkultur:
Keiner vergibt sich etwas, wenn er mal einen Fehler zugibt.
Ich persönlich bin dankbar dafür, dass
ich in aktuelle Entscheidungsprozesse auf Verbandsebene eingebunden
wurde. So konnte ich auch einen Teil meiner Erfahrung einbringen.
Ich rufe allen zu: Demotiviert euch nicht selber!
Schaut nach vorne, tragt sachlich und fachlich zu Lösungsvorschlägen
bei; werdet nicht müde, konstruktive Beiträge zu Sachproblemen
zu leisten. Lasst den gesunden Menschenverstand walten. Eure Zufriedenheit
wird es euch danken.
Verliert den klassischen Kameradschaftsgedanken
nicht aus den Augen. Die Welt um uns herum ist kalt genug! Denkt daran,
dass der Mensch überall im Mittelpunkt steht, denn ohne ihn funktioniert
unser technisch und technologisch geprägtes Umfeld nicht.
 |
| Oberstleutnant Rainer Czerwonka
mit Ehefrau |
Verschanzt euch nicht in der Anonymität der
Gemeinschaft. Verschanzt euch nicht hinter Befehlsstrukturen: Wagt
euch hervor! Im Zeitalter der Transformation, in dem nicht Endziele
sondern Teilziele definiert werden, ist es möglich, durch zugängliche
Stellschrauben am Gelingen des Ganzen beizutragen.
Ich wünsche allen Anwesenden und deren Familien
alles erdenklich Gute, vor allen Dingen Gesundheit und Zufriedenheit.
Ich wünsche dem LTG 63, dass es weiterhin eine verlässliche
und kompetente Größe im Lufttransportbereich bleibt, unfallfreies
Fliegen und dass bei der Durchführung fliegerischer Einsätze
die Flugsicherheit immer im Vordergrund steht. Ich für meinen
Teil muss mich jetzt an einen anderen Lebensrhythmus gewöhnen.
Meine Frau wird mir dabei helfen. Da bin ich ganz sicher.
Ich sage tief bewegt Danke schön,
alles Gute, Tschüs und machen
Sie´s gut! 
|