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Oberstabsarzt Martin Ulbrich
Am 26. Dezember 2004 bedingte ein Seebeben die
Entstehung eines Tsunamis in Südostasien. Die Bilder der Zerstörung,
der menschlichen Tragödien sind unvergessen, die Hilfsbereitschaft
der Menschen ist nach wie vor beeindruckend. Unter den mehreren 100.000
Opfern waren auch viele Deutsche, die meisten der vermisst gemeldeten
Personen (ca. 550) waren Touristen in Thailand. Zur Identifizierung
der Opfer in Thailand und in Sri Lanka wurden Teams der Identifizierungskommission
(IDKO) des Bundeskriminalamtes entsandt, andere betroffene Nationen
schickten ebenfalls Spezialisten in diese Regionen.
In Thailand waren ca. 5300 Opfer zu beklagen, die
meisten im Süden des Landes auf der Ferieninsel Phuket. Das internationale
Disaster Victim Identification Team untersuchte die Leichen
und katalogisierte die erhobenen Befunde in einem Computerprogramm,
um diese (postmortalen) Daten und ausgewerteten Fingerabdrücke
mit den antemortalen Daten der Opfer zu vergleichen, um so eine Identifizierung
zu ermöglichen. Zur Unterstützung des BKA wurde ich über
insgesamt sechs Wochen nach Thailand kommandiert. Meine Tätigkeit
vor Ort bestand in der Erhebung der Zahnstaten der Opfer und der Herstellung
dentaler Röntgenbilder und digitaler Photographien der Kiefer
und Zähne.
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| Identifizierung der Flutopfer
in Thailand |
Die Untersuchung der Leichname fand in verschiedenen
Tempelanlagen, unter teilweise sehr guten Bedingungen statt, wenn
man die Situation der ersten Teams vor Augen hat, die noch unter freien
Himmel gearbeitet hatten. So waren die Arbeitsbereiche inzwischen
teilweise klimatisiert, auch ergonomisch wurden stetig Verbesserungen
vorgenommen. Die norwegische Regierung hat ein mobiles Containerlazarett
zur Untersuchung der Opfer zur Verfügung gestellt, hier konnten
die Arbeitsabläufe optimiert werden.
Trotzdem waren die Belastungen für die einzelnen
Teammitglieder sehr hoch: Die klimatischen Bedingungen (feuchte Hitze)
wirkte auf Opfer wie auf Identifizierungsteams ein, aber auch die
thailändischen Strassenverkehrsverhältnisse waren Faktoren,
die zusammen mit der psychischen Belastung zur Gesamtbelastung beitrugen.
Jeder Leichnam wurde nach international festgelegten Standards untersucht:
Zuerst wurden Fingerabdrücke genommen (Respekt vor der Arbeit
der Daktyloskopen!), danach folgte eine rechtsmedizinische Untersuchung,
zuletzt wurde der Zahnstatus erhoben. Anschließend wurden die
Leichname eingefroren, um nach erfolgter Identifizierung wiederum
nach festgelegten Verfahren den entsprechenden Ländern übergeben
zu werden.
Die Tätigkeit in Thailand war anstrengend
und belastend.
Allerdings hat man nach solch einem Einsatz auch
viel Positives zu berichten: Das BKA hat sehr professionell die Organisation
des Teams vor Ort durchgeführt, nationale und internationale
Kooperationen, Erweiterung des Fachwissens, die thailändische
Mentalität und nicht zuletzt das Gefühl, den Angehörigen
der Opfer Gewissheit über das Schicksal der Vermissten gegeben
zu haben. 
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