Frankreich - Deutschland 10 : 5
(Hohn)

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Hauptmann Dirk Lontke

Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit und des Erfahrungsaustausches fand im Herbst letzten Jahres ein Freundschaftsspiel zwischen der französischen und der deutschen Luftwaffe unter dem Namen „Staffelaustausch Evreux“ statt.

Nach langem Ringen, mehrtägigen Diskussionen und Unmengen von Kaffee in durchwachten Nächten einigten wir uns für das Hinspiel in Deutschland auf folgende bewährte Teamaufstellung (5 – 5 – 1):

Sturm: Das Wetter
Mittelfeld: OLt Schrader, Hptm Lontke, Hptm Christiansen, HFw Glotz, HFw Altenburg
Verteidung: Die Technik

Die Eröffnungsfeier fand am 20. September statt, als unsere Gäste pünktlich mit nur 55 Minuten Verspätung in Hohn landeten. Das Empfangskomitee der Mittelfeldspieler fand alle Vorurteile bestätigt, als die französischen Gäste auf das freundliche „Moin Moin“ mit „Bon jour, gibt’s noch etwas zu essen ?“ antworteten. Nachdem sie dann mäßig enttäuscht hinnehmen mussten, dass deutsche Truppenküchen um 13.00 Uhr schließen, packten sie zum Beercall in der Staffel den mitgebrachten Reiseproviant aus. Unter dem Vorwand der Gastgeschenke versorgten sie die Gastgeber mit köstlichen französischen Schmankerln wie Pasteten, verschiedensten Weich-, Hart- und Schimmelkäsen sowie den unterschiedlichsten „edlen Tropfen“.

Vor einem Besuch der Rendsburger Kulturmeile, gleich neben dem Feldwebel-Schmid Wohnheim, angeführt von unserem „Linksaußen“, verabredete man sich zum Training am nächsten Morgen.

Dieser begann mit der Vorstellung des Restes der Mannschaft.

Trainingslager

Der Sturm präsentierte sich in Form des Wetterberaters mit fünf Tagen Schleswig- Holsteinischen Spezialwetters mit dem besonderen Spielzug „orkanartige Sturmböen mit Regen von der Seite“.

Die Verteidigung wurde durch die Technik gestellt, die zumindest einen Tag lang die Hoffnung hegte, uns ein Flugzeug zur Verfügung stellen zu können.

Somit ergab sich diese unschlagbare 5-5-1 Aufstellung, die zu dem unabwendbaren Erfolg führte, dass das deutsche Mittelfeld als Passagier der französischen Mannschaft mit nach Landsberg flog.

Dort angekommen begaben sich beide Teams unverzüglich zum Trainingscamp auf der Theresienwiese, über das auch gelegentlich unter dem Begriff „Oktoberfest“ in den Medien berichtet wird.

Unter der erfahrenen Führung verschiedener Mitglieder eines ortsansässigen Vereins aus Landsberg verteilten sich beide Mannschaften an die Trainingsgeräte.

Kapitän der Damenmannschaft

Nach einer kurzen Aufwärmphase wurde schnell Kontakt zur Damenmannschaft geknüpft.

Dabei stellte sich heraus, dass sich deren Spielweise von derjenigen der Herren nur unwesentlich unterscheidet. Lediglich aus den Zweikämpfen gingen die Damen meist siegreich hervor. Zwar war es ein sehr faires Spiel ohne Fouls, doch gab es den ein oder anderen Freistoß. Recht bald auch wurde die Vereinszugehörigkeit nicht mehr so eng gesehen und alle strebten dem gemeinsamen Ziel eines sportlich fairen Wettkampfes entgegen, wobei sich die übrigen Spieler als erstaunlich aufmerksames und jubelndes Publikum präsentierten, sobald jemand einen Alleingang versuchte.

Nach soviel Anstrengung gab es am nächsten Morgen ein Sportlerfrühstück mit Weißwurst und Brezn. Hierbei entwickelten unsere französischen Gäste erstaunliche Ideen, wie man solch eine Weißwurst essen könnte. Der Hinweis, dass man die Haut vor dem Verzehr entfernen müsse, löste einen wahren Sturm von „Ooooh“s und „Aaaah“s aus.

Der Rückflug war ähnlich bewegt wie der vorherige Abend. Nach der Wettervorhersage, die eine ordentliche Portion Turbulenz bis zu einer Flughöhe von 15000 Fuß versprach, beschlossen die Franzosen, in 9000 Fuß quer durch Deutschland zu fliegen. Weil man da ja mehr sieht.

Sightseeing in Hamburg

Umso größer war die Motivation nach der Landung, unverzüglich zu unserem „Heimspiel“ nach Hamburg zu fahren, wo wir unseren Gästen nach der süddeutschen nun auch die norddeutsche Kultur näher bringen wollten. Und die konnten wir dort hautnah erleben.

Dass man in Hamburg auch manchmal in Dollar bezahlen muss, hat zwar kurz für Verwirrung gesorgt, trübte den Blick und das Vergnügen jedoch keineswegs.

Den Abschluss dieser Woche bildete ein köstliches Frühstücksbuffet am Freitag, bei dem die neu erlernten Spielzüge eingehend diskutiert wurden, bevor die französische Mannschaft ziemlich abgekämpft gegen Mittag das Feld räumte.

Das Rückspiel fand dann in der ersten Novemberwoche in Evreux statt, einen Steinwurf westlich von Paris.

Wie in jedem guten Match haben auch wir zwei neue Spieler eingewechselt, sodass uns anstelle des Hptm Christiansen der OLt Freiberg begleitete und für den HFw Altenburg der HFw Sonntag ins Rennen ging.

Wie erwartet drehte sich dort zunächst alles ums Essen. Zwar konnten wir noch unsere Zimmer beziehen, doch wurde der Abfahrtstermin zum Abendessen schon festgelegt.

Dieses allerdings präsentierte sich als echte Herausforderung für den deutschen Gaumen. Nicht nur die Speisefolge war ungewohnt, sondern auch die Vielzahl der angebotenen Delikatessen.

Die gemischte Vorspeisenplatte bot neben kleinen Gemüsehappen auch Köstlichkeiten wie Austern, Miesmuscheln und verschiedene Arten von Schnecken, die wir zunächst sehr skeptisch probierten: „Du zuerst!“.

Schnell gewöhnten wir uns daran, dass in Frankreich zu den verschiedenen Gängen verschiedene Weine getrunken wurden. Auch die französische Gemütlichkeit beim Essen war sehr ansteckend, was zur Folge hatte, dass wir etwas mehr als drei Stunden brauchten, um uns satt und zufrieden bei einem letzten Glas Wein zurückzulehnen.

Am nächsten Tag dann war das Wetter so, wie wir es schon aus Deutschland kannten. Somit hatten wir ausreichend Zeit, um uns auf den Mittwoch vorzubereiten. Immerhin drohten die Franzosen damit, uns fliegerisch richtig ranzunehmen. Und das taten sie dann auch.

Mit einigen Briefings, die uns den Umfang der gesamten Operation so langsam erahnen ließen, wurden wir darauf vorbereitet, an einer COMAO teilzunehmen. Das Szenario war eine Evakuierungsaktion, bei der innerhalb kürzester Zeit vier C-160 und eine C-130 auf einem Sportflugplatz landen, verschiedene Fahrzeuge und Personen einladen und innerhalb von nicht einmal 20 Minuten wieder verschwunden sein sollten. Den Erfolg sicherten verschiedene Jets, die uns sowohl vor Bedrohungen aus der Luft wie vom Boden schützten.

Eine AWACS koordinierte die einzelnen Komponenten und warnte ggf. vor den verschiedenen Luftabwehrstellungen am Boden. Das abschließende Debriefing rundete eine professionell geplante und sehr lehrreiche Übung ab. Hierbei waren alle Beteiligten zugegen, die fliegenden Besatzungen ebenso wie Forward Air Controller und die Bodencrews, was zu einem für alle Seiten hilfreichen Erfahrungsaustausch führte.

Der Donnerstag präsentierte sich dann sehr norddeutsch, zumindest was das Wetter anging. Wir gingen also nach dem Frühstück nahtlos zum Abendprogramm über: Paris.

Eine Stadt voller Wunder, voller Lebensfreude und Vergnügungen. Eine Stadt der Haute-Couture, der Mode von morgen und der exquisiten Küche.

Den Eifelturm sahen wir im Vorbeifahren, Nôtre Dame konnten wir am Horizont erahnen und vom Triumphbogen hatten wir ohnehin alle schon mal etwas gehört.

Also gingen wir direkt zum Abendessen über. Beim vermutlich besten Griechen, den Paris zu bieten hat. Drei Stunden lang.

Danach lernten wir die Metro kennen und hasteten einmal quer über den Champs- Elysees, um den Abend in einer Bar mit toller Musik und super Stimmung ausklingen zu lassen. Nach einer guten halben Stunde standen wir dann vor einem Irish Pub, in dem ein Sänger die Gäste unterhielt, der sich deutlich mehr für Männer als für Frauen zu interessieren schien. Das Publikum war dementsprechend. Eine halbe Stunde später holte uns der Bus dann ab und fuhr uns zurück in die Kaserne.

Am nächsten Morgen genossen wir dann zum letzten Mal ein französisches Frühstück, bevor uns die Staffel herzlich verabschiedete und wir auf dem Heimflug dem Wetter ein Schnippchen schlugen.

Abschiedsfoto vor der Trall

Abschließend betrachtet waren beide Wochen, so unterschiedlich sie vom Verlauf auch waren, ein sehr tiefgehendes und lehrreiches Erlebnis.

Wir haben nicht nur gelernt, dass auch Franzosen normale Menschen sind und sogar lustig sein können, auch fliegerisch haben wir einiges erlebt.

Das begann mit „Wie machen die das denn ?“ und wurde zu einem „Gar keine schlechte Idee“. Mit der COMAO nahmen wir an einer Übung teil, die so ziemlich alle fliegerischen Verfahren verlangte, und wir waren uns einig, dass dies nicht nur für uns eine sehr lehrreiche Erfahrung war, sondern dass es eine tolle Sache wäre, Austauschprogramme und gemeinsame Übungen dieser Art regelmäßig durchzuführen.