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Hauptfeldwebel Ludwig Prüss
Anfang des Jahres 2004 bekam unsere Staffel den
Auftrag mit zwei Transall an einer Übung in Südafrika im
Zeitraum September- Oktober teilzunehmen.
Die Informationen über die Art und den Verlauf
des Einsatzes flossen zunächst sehr spärlich.
Aber schließlich Ende August erhielten wir
den endgültigen Auftrag, und die Besatzungen konnten zusammengestellt
werden.
Einsatzdauer sollte ca. 5 Wochen sein, mit Teilnahme
an der Übung Airborne Africa, ein multinationaler
Vergleichswettkampf für Fallschirmjäger aus verschiedenen
Nationen. Weiterhin Teilnahme an der größten Luftfahrtausstellung
in Africa, die Africa Aerospace and Defence, auf der Waterkloof
Air Force Base bei Pretoria. Im Anschluß daran sollte die Übung
Golden Eagle stattfinden, die Verlegung von Material und
Personal, in einem fiktiven Konflikt, der simuliert im Nordosten des
Landes stattfand.
Am 06. September 2004 starteten wir schließlich
mit zwei C-160, voller Erwartung, was uns dieser Einsatz bringen würde.
Die GAF 479 mit der Besatzung :
AC: Olt Hans Ebest
CP : Olt Torben Grehm
TSO: Hptm Werner Schawo
BM: HFw Ludwig Prüss
LM: HFw Sven Zirkel
1.W.: Sascha Köpke
des weiteren die Besatzung der GAF 103, die sich wie folgt zusammensetzte:
AC : Hptm Peter PJ Janssen
CP : Olt Axel Prengel
BM : StFw Achim Altenburger
LM : HFw Matthias Hansen
1.W: Thomas Mahrt
ergänzt durch zwei Gastarbeiter,
den Hptm Roberto Beuthel als TSO vom LTG 61 in Landsberg, und den
StFw Ralf Stoffers von der LL/LTS aus Altenstadt, als zusätzlicher
Ladungsmeister.
Unser kleines Kommando führte der Major Stefan
Reichertz , der die vielseitigen Aufgaben Kommandoführer, Einsatzstaboffizier,
und Spieß übernahm.
Die medizinische Betreuung übernahm der OSA
Christian Schleucher.
Unsere Reise führte uns zunächst nach
Heraklion auf Kreta, unsere erste Zwischenstation. Leider trennten
sich bereits dort die Wege der beiden Maschinen. Die GAF 103 schaffte
es an diesem Tage nur bis Kerkira, bedingt durch Verzögerungen
aufgrund von Beladung und Technik.
Die Strecke führte uns weiter nach Djibouti,
wo sich schließlich unsere Wege wieder trafen.
Während die GAF 479 am nächsten Tag Richtung
Nairobi weiterflog, musste die GAF 103 leider einen weiteren Tag in
Djibouti bleiben. Eine dringende Kontrolle des Seitenruders an der
Maschine war erforderlich.
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| Stadtkern von Bloemfontein
mit seinen sehenswürdigen Gebäuden |
Für Nairobi hatten wir medizinisches Gerät
geladen, als Spende der Bundeswehr für die kenyanische Armee.
Kaum gelandet wurden wir mal wieder mit der afrikanischen Arbeitweise
konfrontiert. Entladegerät stand nicht zur Verfügung, so
daß die Kisten von Hand entladen werden mußten, eine Entladetechnik,
die uns von früheren Kommandos wohl bekannt war.
Zu allem Überfluß erklärte (Nairobi
Eastleigh) kein Kraftstoff zur Verfügung stand, was uns dazu
zwang mal eben nach Yomo Kenyatta zu fliegen, den Internationalen
Airport von Nairobi, um für den Weiterflug aufzutanken. Zur späten
Stunde erreichten wir dann schließlich Dar Es Salaam
in Tansania, wo uns die dort ansässige Beratergruppe in gewohnter
Form hervorragend betreute. Nach einem weiteren Stop in Maputo (Mozambique)
erreichten dann beide Maschinen am 10. September den Flugplatz von
Bloemfontein im Oranje Free State. Dort sollten wir die erste Woche
verbringen und im wesentlichen Fallschirmspringer absetzen. Zu diesem
Zwecke hatten wir aus Deutschland 150 T-10 Fallschirme mitgebracht.
Nach einem umfassenden Sicherheitsbriefing, wie
wir uns in Südafrika zu verhalten haben, um nicht mit einem Messer
im Rücken zurückzukommen, hatten wir Gelegenheit am Wochenende
uns die Stadt Bloemfontein anzuschauen. Wie viele Städte in Südafrika
hat Bloemfontein eine lange Geschichte und viele sehenswerte Gebäude
zeugen noch von früheren Zeiten.
Wir kamen am Ende des afrikanischen Winters dort
an, und wir stellten mit Erstaunen fest, dass Temperaturen von 0 °
C in den Morgenstunden durchaus normal sind.
Am drauffolgenden Montag trafen zwei C-130 Hercules
der Südafrikanischen Luftwaffe ein, mit einem ähnlichen
Auftrag wie dem unseren, d.h. Fallschirmspringer absetzen. Allerdings
stellten wir sehr schnell fest, dass die Kommunikation mit dem Heer
in Südafrika ähnlich problematisch ist wie in Deutschland.
Zunächst gab es so gut wie keine Informationen, und niemand wusste
so recht was mit uns anzufangen. Unsere eigenen, zwischenzeitlich
eingeflogenen Absetzer und Absetzleiter aus Oldenburg und Altenstadt
machten sich daran die Südafrikanischen Springer an dem T10 Fallschirm
auszubilden. Aber diverse Probleme, wie zu starker Wind in der Dropzone
und Kompetenzschwierigkeiten zwischen südafrikanischen Kommandeuren
und Offizieren führten dann dazu, dass wir leider nicht einmal
droppen konnten in dieser Woche. Und am Ende mussten wir die 150 mitgebrachten
Fallschirme, unverrichteter Dinge wieder mit nach Hause nehmen. Zum
Glück bekamen wir noch einige kleine Aufträge, die es uns
ermöglichten doch noch in die Luft zu kommen. Unter anderem flogen
wir einen Buschflugplatz an, wo wir einige Übungsteilnehmer aufnahmen,
um Sie zurück nach Bloemfontein zu fliegen.
Damit wir nicht die ganze Woche zur Untätigkeit
verdammt wurden, entschied unser Kommandoführer, eine Ausbildungs
Low Level Mission anzusetzen, in 250 ft, zur Freude aller Beteiligten.
So flogen wir mit beiden Maschinen einen sehr interessanten Low Level
Einsatz, der uns unter anderem auch an der Diamanten- Stadt Kimberley
vorbei führte.
Den Abschluß dieser Woche bildete der Besuch
einer Krokodilfarm, ein eher ungewöhnlicher Zuchtbetrieb in Bloemfontein,
aufgrund der dort herrschenden tiefen Temperaturen im Winter, wie
uns der Eigentümer der Farm berichtete. Die Zuchtbecken müssen
in der Tat beheizt werden, um das Überleben der Tiere zu gewährleisten.
Wir durften dann auch der ersten Fütterung nach 6 Monaten beiwohnen,
die mit ganzen Hühnern durchgeführt wurde. Eine sehr beeindruckende
Vorstellung.
In Laufe unseres Aufenthaltes in Bloemfontein lernten
wir auch eine Südafrikanische Spezialität kennen, das Biltong.
Es handelt sich dabei um getrocknetes Rindoder Antilopenfleisch. Es
wird in langen Streifen geschnitten und an der Luft mit Gewürzen,
wie Koriander, Salz und Pfeffer, getrocknet. Die früheren Pioniere
erfanden diese Methode der Konservierung, um das Fleisch haltbarer
zu machen, und heute ist Biltong eine Delikatesse in Südafrika.
Aufgrund des Aussehens dieser Fleischstreifen gaben
wir dem Biltong den Namen Elefantensülze, sehr zur
Verwunderung einiger Crewmitglieder, die dieses erst zum Ende des
Aufenthaltes in Südafrika kennen lernten, und es dann tatsächlich
für Elefantensülze hielten.
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| Luftfahrtausstellung Africa Aerospace
and Defence in Waterkloof |
Am 19 .September verlegten wir schließlich
nach Waterkloof, den größten Militärflugplatz in Pretoria
und Heimat der Transportverbände der Südafrikanischen Luftwaffe.
Dort sollten wir an der Luftfahrtausstellung Africa Aerospace
and Defence teilnehmen. Eine Maschine sollte im Static Display
vorgestellt werden, und die zweite im Flying Display. Da gemäß
Vorgabe MilAtt Pretoria kein Flying Display für die C-160 vorgesehen
war, war es unmöglich die erforderliche Genehmigung in der Kürze
der Zeit zu erhalten. Sehr zur Enttäuschung vieler Südafrikaner,
die die Transall aus früheren Zeiten kannten, und sie gerne noch
mal fliegen sehen wollten.
Die Transall genoß in Südafrika einen
ähnlich legendären Ruf wie in Deutschland und wurde vielfältig
eingesetzt, insbesondere im Buschkrieg in Namibia und für SAR
Einsätze, weil sie über eine Ausrüstung verfügte,die
die Hercules nicht hatte. Als schließlich 1993 alle
neun Transall gemeinsam in Formation den letzten Flug absolvierten,
war die Trauer und das Unverständnis über die Entscheidung
der Außerdienststellung groß.
Heute stehen die letzten Transalls zusammen geschoben
am Flugplatzrand von Waterkloof und bieten einen traurigen Anblick.
Unser Wunsch, diesen Maschinen aus nächster Nähe die letzte
Ehre zu erweisen, wurde abgelehnt, vermutlich aus Angst, dass wir
Deutsche ein paar Souvenirs mit nach Hause nehmen.
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| „Rooivalk“ Selbstentwickelter Kampfhubschrauber der Südafrikaner |
Während dieser AAD Woche in Waterkloof wurden
sehr viele Flugzeugmuster im Fluge und am Boden vorgestellt, unter
anderem der Stolz der SAAF, den von Südafrika selbst entwickelter
Kampfhubschrauber Rooivalk. Dieser Kampfhubschrauber ist
seit 1998 im Einsatz, und ist mindestens genauso leistungsfähig
wie der Tiger oder Apache, wenn nicht sogar besser. Dieses wurde durch
eine sehr beeindruckende Vorführung einer dreier Rooivalk Formation
unterstrichen. Leider wurden wir während dieser Woche, wie in
der ersten , mit technischen Problemen unserer Tralls konfrontiert,
so daß wir überwiegend damit beschäftigt waren, die
Maschinen umzuladen oder umzuschleppen, um die einsatzklare Maschine
aus dem Ausstellungsbereich zu bekommen. Dabei stellten wir fest das
eine afrikanische Viertelstunde durchaus 3 Stunden dauern kann, und
daß ein gleich oder sofort auch mal
vielleicht morgen bedeuten kann.
Während der deutsche Militärattaché
Stab in Pretoria durch kaum vorhandene Unterstützung glänzte,
weil man sich dort nicht zuständig fühlte, erlebten wir
eine sehr große Hilfsbereitschaft seitens unserer Südafrikanischen
Betreuer. Angefangen von unserem lieben Kameraden J.B. Vermeulen,
unser Betreuer in Waterkloof bis hin zu den Technikern, die noch von
alten Transall Zeiten schwärmten und uns anboten sogar im Lager
nachzuschauen, ob die von uns benötigten Ersatzteile vorhanden
waren. Wir mussten leider dankend ablehnen, da dieses sich nicht mit
unseren gültigen Vorschriften deckte. Die Ausstellung endete
mit einer zweitägigen Airshow , die ihresgleichen in Europa sucht,
geschweige denn in Deutschland. Die Polizeistaffel schaffte es sogar
den Flugplatz in Brand zu setzen während ihrer beeindruckenden
Vorführung, was die Feuerwehr aber sehr schnell zu bekämpfen
wusste.
Nun ging es an die Vorbereitungen für die
letzte Woche in Südafrika, die Teilnahme an der Übung Golden
Eagle. Wieder wußte man nicht so richtig wie wir eingesetzt
werden sollten, bis schließlich unser südafrikanischer
Kamerad JB es auf dem Obergefreitendienstweg schaffte, dass wir vorrangig
eingesetzt wurden.
Die Lage war eine Krise in der Nähe des Flugplatzes
Madimbo. Im Übungsszenario wurde erstmal die Lufthoheit
über das Gebiet erlangt, in dem Südafrikanische Cheetahs
(Mirage 3) das Gebiet sicher machten. Daraufhin verlegten wir Truppen
und Fahrzeuge von Bloemfontein nach Madimbo, ein Flugplatz im Middle
of Nowhere , an der Grenze zu Zimbabwe. Die Flüge nach Madimbo
sollten zu den fliegerischen Highlights unseres Aufenthaltes gehören,
denn dort konnten wir das gelernte Taktische KnowHow in die Praxis
umsetzen. Anflug auf Behelfsflugplätzen, behelfsmäßiger
Luftumschlag, mobiler Tower, usw
Daß es behelfsmäßig
war, bewies folgende Situation. Als wir im Anflug auf Madimbo waren,
erhielten wir kurz vor dem Aufsetzen, die Anweisung vom Tower durchzustarten,
da sich Rinder auf der Landebahn befanden. Diese Rinder wurden daraufhin
von 2 Rooivalk Hubschrauber im Tiefstflug verscheucht, und nachdem
wir von den Hubschrauber Piloten die Meldung Runway clear
bekamen, konnten wir den Anflug fortsetzen. Höhepunkt dieser
Einsätze war dann eine Nachtanlandung in Madimbo mit minimaler
Landebahn Beleuchtung. Leider konnte nur eine Besatzung daran teilnehmen
, weil eine unserer Maschinen technisch bedingt streikte.
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| Madimbo, Flugplatz an der Grenze zu Zimbabw |
Am Ende dieser Übung verlegten wir für
eine Nacht nach Hoedspruit, am Rande des Krüger National Parks,
um dann unseren Einsatz mit der Rückverlegung der Pongos
nach Bloemfontein abzuschließen. Dabei stellten wir fest, dass
die Beladevorschriften der Südafrikaner im Bezug auf Passagiertransport
sehr flexibel gehandhabt werden. Ein Blick in eine C-130
in Madimbo verriet uns, dass der gemeine Heeressoldat, auch Pongo
genannt, dort kein Anspruch auf einen Sitzplatz im Flugzeug hat. Es
werden so viele Passagiere eingeladen wie das max. Abfluggewicht es
erlaubt, ob Sitzplatz vorhanden oder nicht. Wer sich über den
Begriff Pongo wundert sollte wissen, dass bei der Luftwaffe
in Südafrika die Heeressoldaten so genannt werden. Dieser Begriff
hat auch eine Bedeutung, die ich aber hier verschweigen möchte.
Jedenfalls haben wir den Begriff Pongo sehr schnell in unseren Sprachgebrauch
übernommen, wie auch die Elefantensülze, die
viele von uns mit wachsender Begeisterung verspeist haben. Diese Zeit
in Südafrika war für alle Beteiligten eine unvergessliche
und sehr interessante Erfahrung. Wir traten am 4. Oktober die Rückreise
an, nach drei sehr ungewöhnlichen und interessanten Wochen in
Südafrika. Leider mussten wir auf dem Rückweg, eine Maschine
in Italien zurücklassen, die dort wegen eines größeren
technischen Defekts, landen mußte. Aber schließlich kehrten
wir gemeinsam und wohlauf am 7. Okt. 2004 auf den Heimatflugplatz
in Hohn zurück. 
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