Heute mal ein wenig Technik VTA´s
(0866, 866-1, 0867, 8032, 8032-1)

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Hptm Heiner Schill

VTA (Vordringliche Technische Anweisung) - derzeit wahrscheinlich einer der am häufigsten gebrauchten Begriffe im ganzen Geschwader, der zu sehr viel Arbeit und Unruhe, bei dem ein oder anderen auch zu einiger Verwirrung geführt hat. Um das Zahlenwirrwar ein wenig zu ordnen soll hier eine so kurz wie möglich gehaltene, aber dennoch verständliche Auflistung der Ereignisse, die Beschreibung der technischen Hintergründe sowie die Darstellung der Inhalte der verschiedenen VTA für mehr Klarheit sorgen.

Montagearbeiten in den Tanks beim EG Termez

Hintergrund
Am 06.05.04 explodierte in Martinique der linke A-Tank einer französischen C-160 Transall aufgrund einer Scheuerstelle an der Verkabelung der Tankpumpen. Durch das anschließende Feuer wurde das Lfz schwer beschädigt. Nach Abschluss der Ermittlungen in Frankreich und Feststehen der Unfallursache wurden Untersuchungen der Kabelbündel an C-160 Transall der Bundeswehr eingeleitet. Bei der Begutachtung mehrerer Lfz durch die Firma EADS in Manching wurden dort in den A-Tanks angescheuerte Kabelbündel innerhalb der Leitungsführungen (Führungsrohre) festgestellt. Die stärkste Schädigung eines Kabels wurde dabei im Radius einer Leitungsführung gefunden. Am 06.07.04 wurde aufgrund der festgestellten Schäden an der Verkabelung durch die Fa. EADS Deutschland, Werk Manching, eine „Dringende Beanstandungsmeldung“ erstellt.

VTA 0866, 866-1 und 0867
Nach Bewertung dieser Beanstandungsmeldung wurde am 07.07.04 durch Weisung BMVg, InspLw, der Flugbetrieb mit Lfz C-160 Transall bis auf weiteres aus Sicherheitsgründen eingestellt. In Ausnahmefällen konnte der Einsatz des Lfz C-160 Transall zur Rettung von Leib und Leben freigegeben werden. Die Lufttransportverbände LTG 61, LTG 62 und LTG 63 wurden angewiesen,je ein Lfz auf Scheuerstellen zu überprüfen. Der Arbeitsablauf und der dafür nötige Zeitaufwand waren zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Die Überprüfungen am 08.07.04 zogen sich bis in den späten Abend hin und schafften schnell Klarheit: an allen drei Lfz wurden Scheuerstellen an den Kabelbündeln der A-Tanks, im LTG 61 und LTG 63 zusätzlich auch an den Kabelbündeln der B-Tanks gefunden. Allmählich wurde allen Beteiligten klar, das an Flugbetrieb vorerst nicht mehr zu denken war. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich insgesamt 11 Lfz aller drei Verbände im Ausland. Am Abend des 08.06.04 wurde die VTA 0866 „Überprüfung der Leitungsbündel der Kraftstoffpumpen auf Scheuerstellen innerhalb der Leitungsführungen“ ausgegeben. Darin wurde die Überprüfung und der Austausch der Kabelbäume angeordnet, das dazu benötigte Material sollte durch LwMatKdo über Fa. EADS zugewiesen werden. Die noch vorhandene Hoffnung, die B-Tanks könnten nicht betroffen und damit für Überführungsflüge nutzbar sein, wurde schließlich durch die in den A- und B-Tanks gefundenen Scheuerstellen wieder zunichte gemacht. Daher musste die VTA 0866 (die sich noch eine entsprechende Option offen hielt) bereits kurz darauf als VTA 0866-1 korrigiert neu ausgegeben werden. Am 15.07.04 wurde mit der Ausgabe der an die Ereignisse angepassten VTA 0867 „Austausch der Leitungsbündel der Kraftstoffpumpen“ die VTA 0866-1 ersetzt. Da die Überprüfung der Lfz fast immer angescheuerte Kabel ergeben hatte wurde nun der vollständige Austausch aller Kabelbäume mit Leitungsführungen angeordnet.

Termez
Um den Flugbetrieb in Termez schnellstmöglich wieder aufnehmen zu können wurde das erste „Ersatz-Lfz“ bereits am Freitag durch das LTKdo festgelegt und mit dem ersten Reparatursatz beliefert, so dass dieses sich mit Technikern und drei Reparatursätzen am 12.07.04 von Penzing aus auf den Weg nach Termez machen konnte. Aufgrund des hohen Einsatzes des technischen Personals vor Ort, der schnellen Zuführung von Material und dem Einsatz von zusätzlichen Lfz konnte der Flugbetrieb in Termez etwa zwei Wochen nach Ausgabe der VTA wieder uneingeschränkt aufgenommen werden.

LTG 63
Bereits am Sonntag, dem 11.07.04, konnte mit dem aus Manching erhaltenen Material mit der Reparatur des ersten Lfz begonnen werden, so dass am Dienstag, dem 13.07.04, der erste „Flugbetrieb“ im LTG 63 mit einer Transall wieder stattfinden konnte. Um einen reibungslosen Ablauf der Arbeiten zu ermöglichen, wurde um die Halle Ost eine weiträumig abgesperrte „Taktstraße“ errichtet, in der alle Arbeiten unter Einhaltung der nötigen Sicherheitsbestimmungen verzugslos durchgeführt werden konnten. Die Bearbeitung der weiteren Lfz hing im Wesentlichen vom Zulauf des Materials ab. Es existierte nahezu keine Kreislaufreserve, so dass sämtliches ausgebautes Material schnellstmöglich zur Fa. EADS zurückgeliefert werden musste, um neue Reparatursätze herstellen zu können. Dies machte sich vor allem bei den ersten Reparaturen im Ausland, die um den 23.07.04 begannen, bemerkbar: der Rücktransport verzögerte sich aufgrund des längeren Rückwegs nach Abschluss der Reparaturen deutlich, so dass der nächste Satz erst mit einigen Tagen Verzögerung geliefert werden konnte. Als weitere Folge der Auslands-Reparaturen standen für Instandsetzungen am Heimatplatz keine Reparatursätze zur Verfügung, so dass hier fast zwei Wochen „Zwangspause“ gemacht werden musste

VTA 0832 und 0832-1
Die Reparaturen im Ausland blieben allerdings nicht ohne Überraschung mit weiteren arbeitsreichen Folgen: bei der Instandsetzung eines Lfz auf Island wurde an der Verkabelung der Kraftstoffvorratsmessanlage eine Scheuerstelle an der Isolation am Rohrausgang des Kabelführungsrohres festgestellt. Dies führte am 26.07.04 zur nächsten Vordringlichen Technischen Anweisung, VTA 0832 „Überprüfung der Verkabelung der Kraftstoffvorratsmessanlage“, mit kurz darauf folgender Berichtigung VTA 8032-1. Zusätzlich zur VTA 0867 wurde damit die Überprüfung aller Verkabelungen der Kraftstoffvorratsmessanlage in den rechten und linken A- und B-Tanks und das Aufbringen von Schrumpfschläuchen an dieser Verkabelung angeordnet. Lfz, an denen die VTA 0867 bereits durchgeführt wurde, konnten weiterhin zum Flugbetrieb eingesetzt werden, innerhalb von 30 Tagen musste an diesen Lfz allerdings eine zusätzliche Überprüfung der Kraftstoffvorratsmessanlage durchgeführt werden. Wurden dabei Fehler festgestellt, war die VTA 8032-1 sofort in vollem Umfang durchzuführen. Verlief die Überprüfung ohne Beanstandung wurde das Lfz bis zur nächsten planbaren Inspektion freigegeben, bei der dann die Maßnahmen gem. VTA 8032-1 in vollem Umfang durchzuführen sind.

Technik
Die C-160 Transall hat pro Tragfläche einen innen liegenden A-Tank und einen außen liegenden B-Tank. Die Kraftstoffversorgung wird pro Tank durch zwei Tankpumpen sichergestellt, das Signal für die Anzeige der enthaltenen Kraftstoffmenge erfolgt im A-Tank durch vier, im B-Tank durch drei Kraftstoffvorratsgeber. Der Zeitaufwand für den Austausch der acht Kabelbündel der Tankpumpen inkl. Führungsrohre im Rahmen der VTA 0867 an einem Lfz beträgt - nach Überwindung der Anfangsschwierigkeiten – etwa 10 bis 12 Stunden. Durch die Arbeiten an der Kraftstoffvorratsmessanlage (Verkabelung von insgesamt 14 Kraftstoffvorratsgebern) im Rahmen der VTA 8032-1 erhöht sich der Arbeitsaufwand um einen weiteren halben Tag. Dies macht die Bearbeitung eines Lfz in Doppelschicht nötig: die Aufenthaltsdauer in den Tanks ist aus Arbeitsschutzgründen sehr begrenzt, außerdem muss ein Austrocknen der Dichtmasse in den Tanks zur Vermeidung von Undichtigkeiten unbedingt verhindert werden, d.h. die Tanks sollten spätestens nach maximal drei Tagen wieder geschlossen werden. Durch großen Einsatz der hauptsächlich betroffenen Fachgruppen der Instandsetzungsstaffel (Elektrik, Mechanik, Klima/Instrumente) und Unterstützung durch die Wartungsstaffel konnten die Reparaturmaßnahmen schnellstmöglich durchgeführt werden.

Fazit
Durch gemeinsame Anstrengung ist es gelungen, sämtliche Arbeiten schnellstmöglich durchzuführen, Verzögerungen durch Materialengpässe konnten dabei nicht vollständig verhindert werden. Die Gesamtdauer bis zum Abschluss der Arbeiten dürften insgesamt etwa zwei bis drei Monate betragen. Bei Erscheinen dieses Artikels sollten die Arbeiten daher an einem Großteil der Lfz durchgeführt und nur noch Lfz in planbaren Inspektionen von der VTA 0867 betroffen sein. Ausstehend sind anschließend vor allem Nacharbeiten im Rahmen der VTA 8032-1 an allen Lfz, an denen zu Beginn nur die VTA 0867 durchgeführt wurde und die eine Freigabe bis zur nächsten planbaren Inspektion erhalten haben. Daher ist mit einem Abschluss der gesamten Maßnahme VTA 0867 und 8032-1 wohl erst im Frühjahr 2005 zu rechnen.