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Hptm Heiner Schill
VTA (Vordringliche Technische Anweisung) - derzeit
wahrscheinlich einer der am häufigsten gebrauchten Begriffe im
ganzen Geschwader, der zu sehr viel Arbeit und Unruhe, bei dem ein
oder anderen auch zu einiger Verwirrung geführt hat. Um das Zahlenwirrwar
ein wenig zu ordnen soll hier eine so kurz wie möglich gehaltene,
aber dennoch verständliche Auflistung der Ereignisse, die Beschreibung
der technischen Hintergründe sowie die Darstellung der Inhalte
der verschiedenen VTA für mehr Klarheit sorgen.
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| Montagearbeiten in den Tanks
beim EG Termez |
Hintergrund
Am 06.05.04 explodierte in Martinique der linke A-Tank einer französischen
C-160 Transall aufgrund einer Scheuerstelle an der Verkabelung der
Tankpumpen. Durch das anschließende Feuer wurde das Lfz schwer
beschädigt. Nach Abschluss der Ermittlungen in Frankreich und
Feststehen der Unfallursache wurden Untersuchungen der Kabelbündel
an C-160 Transall der Bundeswehr eingeleitet. Bei der Begutachtung
mehrerer Lfz durch die Firma EADS in Manching wurden dort in den A-Tanks
angescheuerte Kabelbündel innerhalb der Leitungsführungen
(Führungsrohre) festgestellt. Die stärkste Schädigung
eines Kabels wurde dabei im Radius einer Leitungsführung gefunden.
Am 06.07.04 wurde aufgrund der festgestellten Schäden an der
Verkabelung durch die Fa. EADS Deutschland, Werk Manching, eine Dringende
Beanstandungsmeldung erstellt.
VTA 0866, 866-1 und 0867
Nach Bewertung dieser Beanstandungsmeldung wurde am 07.07.04 durch
Weisung BMVg, InspLw, der Flugbetrieb mit Lfz C-160 Transall bis auf
weiteres aus Sicherheitsgründen eingestellt. In Ausnahmefällen
konnte der Einsatz des Lfz C-160 Transall zur Rettung von Leib und
Leben freigegeben werden. Die Lufttransportverbände LTG 61, LTG
62 und LTG 63 wurden angewiesen,je ein Lfz auf Scheuerstellen zu überprüfen.
Der Arbeitsablauf und der dafür nötige Zeitaufwand waren
zu diesem Zeitpunkt noch völlig unklar. Die Überprüfungen
am 08.07.04 zogen sich bis in den späten Abend hin und schafften
schnell Klarheit: an allen drei Lfz wurden Scheuerstellen an den Kabelbündeln
der A-Tanks, im LTG 61 und LTG 63 zusätzlich auch an den Kabelbündeln
der B-Tanks gefunden. Allmählich wurde allen Beteiligten klar,
das an Flugbetrieb vorerst nicht mehr zu denken war. Zu diesem Zeitpunkt
befanden sich insgesamt 11 Lfz aller drei Verbände im Ausland.
Am Abend des 08.06.04 wurde die VTA 0866 Überprüfung
der Leitungsbündel der Kraftstoffpumpen auf Scheuerstellen innerhalb
der Leitungsführungen ausgegeben. Darin wurde die Überprüfung
und der Austausch der Kabelbäume angeordnet, das dazu benötigte
Material sollte durch LwMatKdo über Fa. EADS zugewiesen werden.
Die noch vorhandene Hoffnung, die B-Tanks könnten nicht betroffen
und damit für Überführungsflüge nutzbar sein,
wurde schließlich durch die in den A- und B-Tanks gefundenen
Scheuerstellen wieder zunichte gemacht. Daher musste die VTA 0866
(die sich noch eine entsprechende Option offen hielt) bereits kurz
darauf als VTA 0866-1 korrigiert neu ausgegeben werden. Am 15.07.04
wurde mit der Ausgabe der an die Ereignisse angepassten VTA 0867 Austausch
der Leitungsbündel der Kraftstoffpumpen die VTA 0866-1
ersetzt. Da die Überprüfung der Lfz fast immer angescheuerte
Kabel ergeben hatte wurde nun der vollständige Austausch aller
Kabelbäume mit Leitungsführungen angeordnet.
Termez
Um den Flugbetrieb in Termez schnellstmöglich wieder aufnehmen
zu können wurde das erste Ersatz-Lfz bereits am Freitag
durch das LTKdo festgelegt und mit dem ersten Reparatursatz beliefert,
so dass dieses sich mit Technikern und drei Reparatursätzen am
12.07.04 von Penzing aus auf den Weg nach Termez machen konnte. Aufgrund
des hohen Einsatzes des technischen Personals vor Ort, der schnellen
Zuführung von Material und dem Einsatz von zusätzlichen
Lfz konnte der Flugbetrieb in Termez etwa zwei Wochen nach Ausgabe
der VTA wieder uneingeschränkt aufgenommen werden.
LTG 63
Bereits am Sonntag, dem 11.07.04, konnte mit dem aus Manching erhaltenen
Material mit der Reparatur des ersten Lfz begonnen werden, so dass
am Dienstag, dem 13.07.04, der erste Flugbetrieb im LTG
63 mit einer Transall wieder stattfinden konnte. Um einen reibungslosen
Ablauf der Arbeiten zu ermöglichen, wurde um die Halle Ost eine
weiträumig abgesperrte Taktstraße errichtet,
in der alle Arbeiten unter Einhaltung der nötigen Sicherheitsbestimmungen
verzugslos durchgeführt werden konnten. Die Bearbeitung der weiteren
Lfz hing im Wesentlichen vom Zulauf des Materials ab. Es existierte
nahezu keine Kreislaufreserve, so dass sämtliches ausgebautes
Material schnellstmöglich zur Fa. EADS zurückgeliefert werden
musste, um neue Reparatursätze herstellen zu können. Dies
machte sich vor allem bei den ersten Reparaturen im Ausland, die um
den 23.07.04 begannen, bemerkbar: der Rücktransport verzögerte
sich aufgrund des längeren Rückwegs nach Abschluss der Reparaturen
deutlich, so dass der nächste Satz erst mit einigen Tagen Verzögerung
geliefert werden konnte. Als weitere Folge der Auslands-Reparaturen
standen für Instandsetzungen am Heimatplatz keine Reparatursätze
zur Verfügung, so dass hier fast zwei Wochen Zwangspause
gemacht werden musste
VTA 0832 und 0832-1
Die Reparaturen im Ausland blieben allerdings nicht ohne Überraschung
mit weiteren arbeitsreichen Folgen: bei der Instandsetzung eines Lfz
auf Island wurde an der Verkabelung der Kraftstoffvorratsmessanlage
eine Scheuerstelle an der Isolation am Rohrausgang des Kabelführungsrohres
festgestellt. Dies führte am 26.07.04 zur nächsten Vordringlichen
Technischen Anweisung, VTA 0832 Überprüfung der Verkabelung
der Kraftstoffvorratsmessanlage, mit kurz darauf folgender Berichtigung
VTA 8032-1. Zusätzlich zur VTA 0867 wurde damit die Überprüfung
aller Verkabelungen der Kraftstoffvorratsmessanlage in den rechten
und linken A- und B-Tanks und das Aufbringen von Schrumpfschläuchen
an dieser Verkabelung angeordnet. Lfz, an denen die VTA 0867 bereits
durchgeführt wurde, konnten weiterhin zum Flugbetrieb eingesetzt
werden, innerhalb von 30 Tagen musste an diesen Lfz allerdings eine
zusätzliche Überprüfung der Kraftstoffvorratsmessanlage
durchgeführt werden. Wurden dabei Fehler festgestellt, war die
VTA 8032-1 sofort in vollem Umfang durchzuführen. Verlief die
Überprüfung ohne Beanstandung wurde das Lfz bis zur nächsten
planbaren Inspektion freigegeben, bei der dann die Maßnahmen
gem. VTA 8032-1 in vollem Umfang durchzuführen sind.
Technik
Die C-160 Transall hat pro Tragfläche einen innen liegenden A-Tank
und einen außen liegenden B-Tank. Die Kraftstoffversorgung wird
pro Tank durch zwei Tankpumpen sichergestellt, das Signal für
die Anzeige der enthaltenen Kraftstoffmenge erfolgt im A-Tank durch
vier, im B-Tank durch drei Kraftstoffvorratsgeber. Der Zeitaufwand
für den Austausch der acht Kabelbündel der Tankpumpen inkl.
Führungsrohre im Rahmen der VTA 0867 an einem Lfz beträgt
- nach Überwindung der Anfangsschwierigkeiten etwa 10
bis 12 Stunden. Durch die Arbeiten an der Kraftstoffvorratsmessanlage
(Verkabelung von insgesamt 14 Kraftstoffvorratsgebern) im Rahmen der
VTA 8032-1 erhöht sich der Arbeitsaufwand um einen weiteren halben
Tag. Dies macht die Bearbeitung eines Lfz in Doppelschicht nötig:
die Aufenthaltsdauer in den Tanks ist aus Arbeitsschutzgründen
sehr begrenzt, außerdem muss ein Austrocknen der Dichtmasse
in den Tanks zur Vermeidung von Undichtigkeiten unbedingt verhindert
werden, d.h. die Tanks sollten spätestens nach maximal drei Tagen
wieder geschlossen werden. Durch großen Einsatz der hauptsächlich
betroffenen Fachgruppen der Instandsetzungsstaffel (Elektrik, Mechanik,
Klima/Instrumente) und Unterstützung durch die Wartungsstaffel
konnten die Reparaturmaßnahmen schnellstmöglich durchgeführt
werden.
Fazit
Durch gemeinsame Anstrengung ist es gelungen, sämtliche Arbeiten
schnellstmöglich durchzuführen, Verzögerungen durch
Materialengpässe konnten dabei nicht vollständig verhindert
werden. Die Gesamtdauer bis zum Abschluss der Arbeiten dürften
insgesamt etwa zwei bis drei Monate betragen. Bei Erscheinen dieses
Artikels sollten die Arbeiten daher an einem Großteil der Lfz
durchgeführt und nur noch Lfz in planbaren Inspektionen von der
VTA 0867 betroffen sein. Ausstehend sind anschließend vor allem
Nacharbeiten im Rahmen der VTA 8032-1 an allen Lfz, an denen zu Beginn
nur die VTA 0867 durchgeführt wurde und die eine Freigabe bis
zur nächsten planbaren Inspektion erhalten haben. Daher ist mit
einem Abschluss der gesamten Maßnahme VTA 0867 und 8032-1 wohl
erst im Frühjahr 2005 zu rechnen. 
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