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Oberstabsarzt Mark Weinhonig
Anfang Januar erhielten
wir den Auftrag, ein fünf jähriges afghanisches Mädchen
aus Kabul zu evakuieren.
Sie hatte einen Unfall mit einem belgischen Radpanzer,
bei dem ihre Beine und ihre Lunge massive Verletzungen erlitten. Sie
wurde nach dem Unfall direkt im Lazarett in Kabul versorgt, jedoch
stand zu befürchten, dass ihre Beine aufgrund der Quetschungen
amputiert werden müssten. So entschloss sich die belgische Regierung,
das Mädchen nach Brüssel fliegen zu lassen und dort erneut
zu operieren.
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| Fliegende Intensivstation |
Allein die Wetterlage hätte unsere Pläne
noch durchkreuzen können, da der Wetterberater schlechte Sichten
voraussagte. Im Anflug auf Kabul jedoch konnte mir Hptm Prögel
versichern, dass wir bei guten Sichten landen könnten und auch
der erneut Start wäre unproblematisch. An dieser Stelle mein
Dank an die gesamte fliegerische Crew für die hervorragende Zusammenarbeit
und den ruhigen Flug. Als wir unsere kleine Patientin im Lazarett
übernehmen sollten, war sie wach und verständlicherweise
sehr verängstigt, wir hatten uns jedoch schon zuvor entschlossen,
sie aufgrund der Lungenquetschung bei Übernahme zu intubieren
und sie während des gesamten Transportes zu beatmen. Ihr Vater
begleitete sie nach Belgien, so dass wir auch ihn während des
Fluges zu betreuen hatten. Im Sinkflug versuchte uns der Mann durch
Gesten ein Druckgefühl zu signalisieren, doch da kein Sprachmittler
mitfliegen konnte, missdeutete der Rettungsassistent die Situation;
wie sich nach der Landung herausstellen sollte verspürte der
Mann diesen Druck auf der Blase und nicht wie vermutet auf dem Trommelfell.
In Termez mussten wir bis zum Eintreffen der Challenger aus Köln
die Kleine für einige Stunden auf unserer Intensivstation aufnehmen
und weiter beatmen. Die Übernahme durch die Crew der Challenger
erfolgte ebenso professionell und ruhig, wie jeder weitere MedEvac
Flug, den meine Crew und ich während der folgenden Wochen durchführen
sollten. Am nächsten Tag erfuhren wir, dass unsere Patientin
den Umständen entsprechend gut in Brüssel angekommen war
und sich bereits erneut im OP befand. Durch meine regelmäßigen
Telefonate mit den belgischen Kollegen erhielt ich die Auskunft, dass
das Mädchen nach mehreren Operationen und Behandlungen in
der Überdruckkammer beide Beine und Füße behalten
wird und bald nach Afghanistan zurückkehren kann.
Der schönste
Lohn für einen solch heiklen Einsatz! 
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