Waisenhaus / Erbarmungshaus
(LTStp 3 Termez/Usbekistan)

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Hauptfeldwebel Oliver Schmall

Seit dem Aufbau des Lufttransportstützpunktes 3 in Termez / Usbekistan (Januar 2002) haben sich Soldatinnen und Soldaten des Stützpunktes darum bemüht, Kindern und Jugendlichen in ihrem Gastgeberland Hilfe entgegenzubringen.

Schnell hatten sie erkannt, dass es in Termez und Umgebung, gerade im Bereich der Kinder, viele Probleme gibt. Auf Nachfrage erlaubten zuständige offizielle Stellen, das sogenannte “Erbarmungshaus“ in dem Ort Boysun - gelegen ca. 150 km nördlich von Termez - zu unterstützen.

Eine kleine Gruppe des LTStp‘s machte sich im April 2002 auf den Weg, das Waisenhaus kennen zu lernen. Sie fanden einen Ort, der Kinder und Jugendliche im Alter von drei - achtzehn Jahren beherbergt, die aus den verschiedensten Verhältnissen stammen. Von Halbwaisen über Vollwaisen, Kinder von drogenabhängigen oder mittellosen Eltern, Usbeken - Kasachen - Kirgisen oder Russen, das Heim bringt sie alle irgendwie unter. Insgesamt sind es durchschnittlich bis zu 195 Kinder aus acht Nationen. Die gewonnenen Eindrücke bestärkten in dem Gedanken helfen zu wollen – ja, zu müssen. Problemlos sammelte man unter den Angehörigen des Stützpunktes eine ordentliche Spendensumme zusammen und schritt zur Tat, erkannte Not im Heim zu lindern. Mittlerweile wurden unter anderem die Sanitärräume sowie Aufenthaltsräume und der Gemeinschaftsspeisesaal teil- oder komplett saniert, Kinderkleidung in allen Größen herangeschafft und Spielsachen organisiert.

Selbst Betten aus ausgemusterten Bw-Beständen konnten übergeben werden, um einigermaßen angemessene Schlafgelegenheiten zu schaffen. Viele weitere Fahrten wurden und werden unternommen, um die auflaufenden Sachspenden zu überbringen, und es ist jedes Mal wieder eine große Freude, in die glücklichen Augen der Kinder und Betreuer zu sehen. Die herzliche Dankbarkeit aller Heimbewohner ist nun, nach anfänglicher Reserviertheit gegenüber den „deutschen Soldaten“ wirklich beeindruckend.

Glückliche Kinderaugen sagen mehr als tausend Worte

Es vergeht kein Besuch, bei dem nicht Fußball oder anderer Ballsport zusammen veranstaltet wird, und es geht nie ohne ein gemeinsames, typisch usbekisches Essen auf die Heimreise in Richtung Termez.

Alle Bewohner des Heimes, von den Kindern über die Pfleger und Betreuer bis hin zum Direktorat haben erkannt, dass ohne Wenn und Aber versucht wird, zu unterstützen. Sie wissen aber auch, dass ihre Lebensgewohnheiten nicht verändert werden sollen. Die angebotene Hilfe soll und darf sich nur in einem vernünftigen Rahmen bewegen, denn irgendwann wird man das Gastgeberland auch wieder verlassen und die bis dahin erbrachte Hilfe dann wieder beenden müssen.

Aus diesem Grund achten wir bewusst darauf, nicht zu einschneidende Maßnahmen zu ergreifen, um die Mentalität der Menschen durch zu großen Überfluss an „Geschenken“ keinesfalls zu verändern. Jede Geld- und Sachspende kommt aus dem Personenkreis des LTStp`s und wird von der Heimleitung genauestens katalogisiert und bei Bedarf an die Kinder weitergegeben. Außerdem wird alles zusätzlich von den staatlichen Behörden kontrolliert und stichprobenartig nachvollzogen.

Letztendlich aber hat das Personal des Lufttransportstützpunktes 3 mit dafür gesorgt, dass die Präsenz der deutschen Soldaten in Usbekistan nicht nur militärischer Natur ist. Mit geringen Mitteln wurde ein freundschaftliches Verhältnis aufgebaut, was den Aufenthalt aller im Gastgeberland angenehmer gestaltet. Zusätzlich aber gibt es natürlich auch nichts Lohnenderes, als in dankbare Augen schauen zu können.