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Hauptmann Roman Wolf
Der Auftrag repräsentative Aufgaben während
eines Static Display in Washington wahrzunehmen, kam für mich
überraschend. Unverhofft erhielt ich dadurch nach einer über
siebenjährigen Tätigkeit als Personaloffizier in der Fliegenden
Gruppe, wenn auch zeitlich begrenzt, die Chance in den Status eines
ACM (Zusätzliches Besatzungsmitglied) aufzusteigen.
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| "Blue Lagoon" eine
Sehenswürdigkeit auf Island; (v.l.n.r.) OTL Zitzewitz, OLt
Männel, OFw Detje, Hptm Wolf, Cpt Mewes, StFw Letanoczki,
StFw Kujawiak |
Am 18.09.02 meldete ich mich bei Oberstlt Zitzewitz
in seiner Funktion als Kommandant des Fluges GAF 391. Die Beseitigung
eines technischen Mangels verzögerte den take off Richtung Island
auf 09.35 l Uhr. In Keflavik angekommen, kehrte die Besatzung im Hotel
„Blue Lagoon“ ein. Dieser im transportfliegerischen Dienst
legendäre Ort ist für Island charakteristisch. Neben Lavagestein
dominieren heiße Quellen diesen baumlosen unwirtlich erscheinenden
Ort. Gleichwohl ist die Gastfreundschaft in Island hoch angesehen
und so erhielten der Copilot, OLt Jörg Männel und ich, die
wir erstmalig an diesem gastlichen Ort verweilten, nach dem Abendessen
einen besonderen Bissen gereicht.
Es gelang mir, die geschmacklich ungewohnte Landesspezialität
mit einem eilends angebotenen, ebenso undefinierbaren alkoholischen
Getränk hinunter zu spülen. Ein anschließendes Bad
im warmen Wasser stabilisierte meinen Kreislauf.
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| "Cape Spear" auf
Neufundland |
Die Zeitverschiebung in Ihrer Bedeutung noch nicht
vollständig erfassend, wurde ich vom LfzBordMechMstr, StFw Klaus
Kujawiak, am 19.09.02 zu früher Stunde geweckt und konnte mit
noch geröteten Augen die ebenso ausgeprägte nordische Morgenröte
bewundern. Die Flugvorbereitungen liefen routiniert und so verließ
die Transall 50+71 planmäßig um 10:25 Z Uhr den Flugplatz
Keflavik in Richtung Westen.
Nach fast 6stündigem Flug, mit u.a. einem
herrlichen Blick auf das eisbedeckte Grönland, landeten wir um
12:10 l Uhr in der sonnigen und doch kühlen Goose Bay/CA. Die
Uhr am Handgelenk war schneller umgestellt als die innere Uhr, so
daß sich nach einer Besichtigung der Basis und einem Besuch
im „Deutsche Haus“ bei mir bereits um ca. 19:00 Uhr (MEZ)
eine bleierne Müdigkeit einstellte. Um so ausgeschlafener verlief
der kommende Tag. Gestärkt durch ein herzhaftes kanadisches Holzfällerfrühstück
ging alles schneller von der Hand. Der frühe take off um 08:15
l Uhr stellte daher auch für mich kein Problem mehr dar. Bei
der Landung auf dem Washington Dulles International Airport um 17:20
Z Uhr war neben einer erneuten Zeit- eine vollständige Klimaverschiebung
zu bewältigen.
Bei 82° Fahrenheit (F) erschien es mir recht
warm und Oberstlt Hartmut Zitzewitz bestätigte mir diesen subjektiven
Eindruck. Durch eine einfache Umrechnung (((X°F-32) : 2) + 10%
= Y°C) ermittelte er die mittägliche Außentemperatur
von ca. 28° C.
Das Static Display am 21.09.02 war ein voller Erfolg.
Weit über 1000 Besucher nutzten die Chance, die Transall C-160
aus „Germany“ zu besichtigen. Es bestand dabei nicht nur
ein echtes Interesse an den Einsatzmöglichkeiten dieses bewährten
Flugzeuges, sondern z.B. auch an der Frage, ob es sich um ein „historycal
Plane“ oder um ein noch im Einsatz befindliches Luftfahrzeug
handele. Hier überzeugte uns erst ein Blick in die Augen des
Fragestellers von der Aufrichtigkeit der gestellten Frage. Die sachgerechte
Antwort wurde mit einer ebenso ehrlich gemeinten Anteilnahme quittiert.
Das Verhältnis zu den Besuchern war dabei durchweg von gegenseitiger
Sympathie geprägt.
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| "Plane Pull" - im
wahrsten Sinne des Wortes |
Ein Stehtag ermöglichte es uns am 22.09.02
die amerikanische Hauptstadt kennenzulernen. Nach dem japanischen
Touristikverfahren wurde die begrenzte Zeit in leistungsmarschähnlichem
Tempo optimal genutzt. Die nach meiner Rückkehr entwickelten
Fotos bestätigten mir den ersten Eindruck: Washington ist eine
großartige Stadt!
Früh um 10:30 l Uhr am folgenden Tag startete
dann der Flug GAF 391 planmäßig nach St. John’s/
Neufundland. Die Landung auf dem Flughafen Torbay erfolgte pünktlich
um 19:25 Z Uhr oder 16:55 L Uhr (?!). Die Abhängigkeit von der
Armbanduhr wurde bei mir zwischenzeitlich beängstigend, mein
inneres Zeitempfinden beäugte ich zunehmend mit Mißtrauen.
Das ozeanische Klima auf Neufundland forderte ebenfalls eine rasche
Anpassung. Beim ausführlichen after-landing-check stellte der
1. Wart, OFw Dominik Detje, anhand einer Ölverschmierung am Triebwerk
1 fest, daß das Stirngehäuse vermutlich undicht sei. Eine
kurze, sehr eingehende Beratung folgte und Oberstlt Zitzewitz und
StFw Kujawiak waren sich schnell einig: es mußte ein „rotes
Kreuz“ gesetzt werden!
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| Vietnam Memorial - Die Gedenkstätte
für die gefallenen amerikanischen Soldaten des Vietnamkrieges |
An einen Weiterflug über den Atlantik war
mit einem beschädigten Triebwerk nicht zu denken.
Ein vollständiger Ausfall des Triebwerkes
über dem Ozean wäre bei dem Stillstand des Propellers, ein
nicht zu vertretendes Risiko für die Flugsicherheit gewesen.
Eine Reparatur mit Bordmitteln schied, bei Fehlen der erforderlichen
Werkzeuge, aus. Sofort wurde das Lufttransportkommando in Münster
informiert. Die Zusage ein Technikerteam mit einem Ersatzflugzeug
zu schicken erfolgte umgehend.
Für die Besatzung bedeutete diese Entwicklung
eine zweitägige zusätzliche Stehzeit in Neufundland. Für
mich die willkommene Möglichkeit auch diesen Teil des amerikanischen
Kontinentes kennenzulernen; konnte ich auch nicht verkennen, daß
diese Verzögerung für das ständige Fliegende Personal
eine Belastung darstellte. Ehefrauen und Familien wurden informiert,
Termine abgesagt oder verändert, eine Kur mußte gänzlich
abgesagt werden. Für den Einzelnen als einmaliges Erlebnis gerne
gesehen, kann ein solcher Umstand durch ein häufiges Auftreten
eine permanente – und sei es auch nur potentielle – persönliche
Einschränkung darstellen. Das Beste aus der mißlichen Lage
zu machen gelang.
Ein Tages- und Abendprogramm war schnell aufgestellt.
Mit Charme erreichte es der Taktik-/Systemoffizier, Captain Tim Mewes,
von der Flughafengesellschaft ein Fahrzeug zu organisieren, welches
es uns ermöglichte „Signal Hill“ und „Eastern
End“ als regionale Sehenswürdigkeit zu besichtigen. Die
Stimmung war trotz der mißlichen Lage gut, der Teamgeist beispielhaft.
Da die Hotelzimmerlage in St. John’s keine Unterbringung für
beide Besatzungen einschl. des Technikerteams zuzulassen schien, entschied
sich Oberstlt Zitzewitz nach der Landung der Ersatzmaschine am 26.09.02,
die Ladungen unmittelbar auszutauschen, und noch am selben Abend um
20:15 Z Uhr weiter nach Keflavik zu fliegen.
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| Die Einfahrt zum Hafen von
St. John's |
Der nächtliche Flug wurde uns durch einen
grandiosen Sonnenunter- und Mondaufgang sowie das Erscheinen von Nordlichtern
versüßt.
Um mich dem allgemeinen Leistungsstandard der übrigen
Besatzung anzupassen, wollte ich versuchen in dieser Nacht wach zu
bleiben, zumal man sich keine persönliche Schwäche nachsagen
lassen möchte. Konzentriert suchte ich den eintönigen nächtlichen
Himmel ab, und begann die Wolken zu zählen. „Eine Wolke,
zwei Schäfchenwolken, ...drei Schäfchen...“, bei der
Landung in Keflavik auf Island (270155 Z sep 02) fühlte ich mich
frisch und munter, zumal mir der Flug im nachhinein etwas gerafft
erschien. Die obligatorische Zeitverschiebung wurde durch eine erneute,
diesmal frostige Klimaveränderung begleitet.
Erst als die Transall 70+94 am 27.09.02 über
dem abendlichen Himmel von Schleswig-Holstein aus den Wolken tauchte,
stellte ich fest, daß mein während vieler Jahre an regelmäßige
Arbeitszeiten gewohntes Zeitverständnis vollständig aus
dem Rhythmus geraten war.Auch der fast tägliche Witterungswechsel
zeigte wohl nur deswegen keine gesundheitlichen Folgen, weil die zeitlichen
Umstellungsphasen hierfür keine Zeit ließen.
Hierzu bleibt aber anzumerken, daß für
die anderen Besatzungsmitglieder, der tägliche Klimawechsel im
Verhältnis zu anderen fliegerischen Aufträgen, keine Anforderung
darstellte. Wo es aber galt Konstanten zur Erleichterung des Dienstes
einzubauen, da wurde dies auch angestrebt. StFw Tibor Letanoczki sorgte
als verläßlicher LfzLadMstr jederzeit für heißen
Kaffee und stellte mit hohem Einfallsreichtum die kulinarische Versorgung
sicher. Als Resümee verbleibt für mich, die Erinnerung an
ein persönlich einmaliges und in jeder Hinsicht erkenntnisreiches
Erlebnis und die Bestätigung, daß der Fliegerische Dienst
tatsächlich eine besondere – auch körperliche –
Herausforderung ist. 
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