Rahmenbedingungen der Technik in Termez
 

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Hauptmann Dirk Niedermeier

Als wir am 16. Januar 2002 auf dem Flugplatz Termez ankamen, sahen wir schnell, dass dieser Platz in dem damaligen Zustand zu Recht durch das Fact-Finding-Team als nicht geeignet für den Betrieb eines Lufttransportstützpunktes mit sechs Luftfahrzeugen eingestuft worden war. Für den Bereich Technik/Logistik war die Airfield Checkliste dann auch relativ schnell abgearbeitet. Bodendienst- und Be-/Entladegeräte gab es keine und das einzige, das die Flughafengesellschaft zur Verfügung stellen konnte, war Kraftstoff für die Flugzeuge. Aus diesem Grund musste alles, was für den Betrieb von C-160 und Airbus A-310 notwendig ist, aus Deutschland eingeflogen werden. Höchste Priorität besaß dabei ein Gabelstapler, denn in ganz Termez gab es keinen.

Eine Transall C-160 wird durch einen Tankwagen betankt.

Und so stand in der ersten Illuschin, die in Termez landete, auch ganz vorne ein Gabelstapler, mit dem der Rest des Luftfahrzeuges und die folgenden Maschinen entladen werden konnten. In den nächsten Tagen wurde dann sämtliches Gerät, angefangen bei Leitern, über Arbeitsbühnen und Stromaggregate bis hin zum Luftfahrzeugschlepper mit Illuschin Il-76TD der usbekischen Airways eingeflogen, so dass als das technische Personal mit einiger Verzögerung in Termez ankam, das notwendigste Equipment bereits vor Ort war.

Das nächste Problem stellte und stellt immer noch die Infrastruktur des Flugplatzes dar. Für die Transall gab es nur einen ausreichend großen Stellplatz. Um trotzdem sechs Transall betreiben zu können, wurde mit der Flughafengesellschaft ausgehandelt, das ein Teil des Main-Taxiways gesperrt wird und dieser als Stellplatz für die restlichen Transall genutzt wird. Der Nachteil an dieser Stellweise war, dass jeweils nur das vorderste und das hinterste Luftfahrzeug wegrollen konnte, da der Taxiway zu schmal war. Um zu mindestens die Luftfahrzeuge aneinander vorbei schleppen zu können, war es notwendig, die Schultern des Taxiways zu teeren. Die Usbeken sahen darin kein Problem und versprachen, gleich am nächsten Montag anzufangen.

Doch es verging der nächste Montag und es geschah nichts. Auf unsere Nachfrage hin, versicherte man uns, dass man gleich nächste Woche anfangen würde. Aber auch dann geschah nichts und es verstrichen noch weitere zehn Wochen bevor die Teermaschine auftauchte. Dieses ist eine Erfahrung, die man in Usbekistan häufiger machen kann. Das was einem versprochen wird, wird auch eingehalten, nur der Zeitpunkt kann sich ganz erheblich verzögern.

Eine Technikercrew beim Beheben einer Triebwerksstörung an einer Transall C-160 in Termez

In der Zwischenzeit mussten die Luftfahrzeuge hin und her geschleppt werden, damit immer das für den nächsten Einsatz eingesetzte Luftfahrzeug an einer Stelle stand, von der es auch wegrollen konnte. Die Situation verschlimmerte sich noch, da noch ein weiterer Taxiway aufgrund von Bauarbeiten geschlossen wurde. Der Luftfahrzeugschlepper war das wichtigste Fahrzeug geworden und so manche Transall bekam in dieser Zeit mehr Schleppstunden als Flugstunden.

Da sich abzeichnete, dass wir länger in Termez verbleiben würden, wurde mit der Planung und dem Bau einer Transall-Abstellfläche begonnen. In einer Rekordzeit von knapp zwei Monaten wurde eine Abstellfläche ausreichend für sechs C-160 durch die Usbeken gebaut.

Als diese Anfang Mai kurz vor der Fertigstellung war, stellten die Usbeken jedoch fest, dass sie keinen Fugenverguss für die Platten hatten und diesen im Ausland kaufen müssten. Dafür war jedoch kein Geld vorhanden. Und so begann ein länger andauerndes Hickhack mit der deutschen Seite, das bis heute noch nicht ganz abgeschlossen ist. So stehen die Luftfahrzeuge immer noch auf dem Taxiway und werden hin- und hergeschleppt. Mittlerweile ist ein zweiter Schlepper vor Ort, damit nicht bei Ausfall des einen Schleppers der Flugbetrieb lahm gelegt wird.

Eine weitere Widrigkeit und mitunter ein großes Problem stellen die klimatischen Bedingungen in Termez dar. Wie nicht anders zu erwarten, gab es in Termez keine Luftfahrzeughalle. Somit müssen sämtliche Arbeiten im Freien durchgeführt werden. Da für die Technik der Auftrag lautet, alle Materialerhaltungsmaßnahmen der Stufe eins und zwei einschließlich 1. HPO durchzuführen, kommt es in allen Jahreszeiten zu Problemen. Im Sommer herrscht in Termez ein sehr heißes, trockenes Klima. Aufgrund der hohen Sonneneinstrahlung und der damit verbundenen Aufheizung ist ein Betreten des Luftfahrzeuges von oben bzw. Arbeiten an Außenteilen unmöglich.

Das "Zugpferd" in Termez: ein Schlepper zum Ziehen von Luftfahrzeugen

Selbst kleinere Störbehebungen können dann nicht mehr durchgeführt werden. Sämtliche Arbeiten an den Aussenteilen müssen in die Abend- bzw. am besten in die frühen Morgenstunden verlegt werden, da dann die Temperaturen relativ niedrig sind. Dieses führt bei größeren Arbeiten zu relativ langen Störbehebungszeiten und zu einer erhöhten Belastung des technischen Personals. In den Wintermonaten sind die Temperaturen sehr niedrig, in der Nacht zumeist unter dem Nullpunkt, und die Niederschlagshäufigkeit ist relativ hoch. So kann es mehrere Regentage hinter einander geben. Auch hier ergeben sich Probleme für die Störbehebung, da ein nasses Luftfahrzeug aus Arbeitssicherheitsgründen nicht von oben betreten werden kann und bestimmte Bauteile aufgrund der darunter liegenden elektrischen Anlagen bei Regen nicht geöffnet werden können. In allen Jahreszeiten kommt die Gefahr von Sandstürmen (der sog. Afghane) hinzu. Hier sind technische Arbeiten im Freien nicht möglich.

Um unabhängig vom Wetter bei der Störbehebung zu werden und die Belastung des Personals zu reduzieren, ist die Beschaffung einer Leichtbauhalle für Termez in die Wege geleitet worden. Diese Leichtbauhalle soll im Sommer klimatisiert und im Winter beheizt werden und kann die Transall komplett aufnehmen.

Ein Sandsturm rast über das Camp in Termez

Damit ergeben sich dann für die Technik wesentlich günstigere Bedingungen. Hervorgerufen durch die hohen Temperaturen im Sommer starten die C-160 zu ihren Flügen nach Kabul bereits kurz vor Sonnenaufgang, um dann mit den ersten Sonnenstrahlen nach Afghanistan einfliegen zu können. Dieses bedingt, dass der Airbus bereits um 01.30 Uhr lokaler Zeit in Termez landet. Um die Transall für die Flüge vorbereiten zu können und den Airbus zu entladen, müssen vor allem das Personal der Wartung und auch des Luftumschlagszuges bereits kurz nach Mitternacht aufstehen, um die erforderlichen Vorbereitungen zu treffen. Gerade die „Airbustage“ werden dann regelmäßig sehr lange Tage, da nach Rückkehr des Airbusses aus Taschkent und der Transall aus Kabul, erneut der Luftumschlagszug und die Wartung gefragt sind. Sechzehnstundentage sind hier dann die Regel, da aufgrund der begrenzten Dienstposten und der Verfügbarkeit des Personals in den Heimatverbänden das technische Personal mit Ausnahme der Wartung im Einschichtbetrieb arbeitet. Um so erfreulicher bei allen diesen Problemen und der hohen Belastung des Personals ist es, dass trotz der Einstufung des Flugplatzes als nicht geeignet, hier ein funktionierender Lufttransportstützpunkt errichtet wurde. Für die technische Komponente gilt dabei festzustellen, dass bisher nur ganz selten ein Flug aufgrund einer technischen Störung ausgefallen ist. Dieses ist begründet in der hohen Motivation und des großen Einsatzwillen des eingesetzten technischen Personals. Gerade in den ersten Monaten, als die Rahmenbedingungen in Termez noch um einiges schlechter waren als heute, so gab es noch keinen Fitnessraum oder sonstige Betreuungseinrichtungen, keine vernünftigen sanitären Anlagen auf dem Flugplatz und nur einige wenige Zelte, ist dieses eine Leistung, die weit über das normale Maß hinaus geht.

Ich möchte allen Beteiligten auf diesem Weg meinen Dank und meine Anerkennung für ihre geleistete Arbeit aussprechen und hoffe, dass das Team Technik auch in Zukunft so zusammensteht und alle anstehenden Aufgaben meistert