"Zeltleben"
 

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Hauptmann Uwe Karsten

Schneefall in Texas - das erlebt man wirklich selten. Aber am 28. November 2001 fielen innerhalb weniger Stunden 30 cm Schnee und damit wurde der gesamte Strassenverkehr lahmgelegt. Flugzeuge konnten schon gar nicht starten und somit musste unsere Abreise um 24 Stunden verschoben werden.

Am nächsten Morgen begann dann die geplante “Rotation”der 40th Airlift Squadron mit ihren C-130 Hercules von Abilene nach Ramstein und in den Oman. Als C-130 Navigator und Austauschoffizier in Dyess AFB, nahm ich am Aerospace Expedi-tionary Force deployment (AEF) teil.

Grüne Fallschirmtaschen voll gepackt mit ABC- und Wüstenausrüstung, wurden schon Tage vorher palettiert. Unser persönliches Gepäck, ergänzt durch “Coleman-Camping Artikel” aus dem Wal-Mart, war auf das Leben im Zelt abgestimmt.

Nach Zwischenlandungen in Rhode Island und Lajes, flog das “Germany-Kontingent” nach Ramstein und wir von Lajes weiter durch die “Strasse von Gibraltar” nach Souda. Schwierigkeiten mit den nachfolgenden Überfluggenehmigungen, bescherten uns noch zwei Tage mediterane Zivilisation auf Kreta.

Im Anflug auf Seeb, dem internationalen Flughafen von Muscat/Oman, sahen wir bereits unser “Hotel“. Die Zeltstadt war noch im Aufbaustadium, als wir ankamen. Seeb wurde aufgrund der Attacken vom 11. Sepember 2001 Ausgangsbasis für die C-130 Einsätze im Rahmen der „Operation Enduring Freedom“.Nach dem Eingangsbriefing bezogen wir unser Zelt „E 17“. Zwei Besatzungen (10 Personen) teilten sich für 3 ½ Monate jeweils ein Zelt.

Whow!
Die Etagenbetten erinnerten an die Grundausbildung. Der Einkauf daheim im “Wal-Mart“ hatte sich aber gelohnt. Viele Kleinigkeiten machten uns das Leben angenehmer.

Tent City” ist komplett mit “Gravel-Steinen“ ausgelegt. Alle Zelte haben Holzfussboden und sind mit Klimaanlagen ausgestattet.

Für die schichtfreie Zeit der hier tätigen Soldaten und Soldatinnen wurde viel getan. Ein Fitness-Zelt wurde eingerichtet und ständig weiter ausgestattet.

Ein aus Beton gegossenes Basketballfeld durfte auch nicht fehlen. Sand wurde vom Strand geholt, um das Beachvolleyballfeld zu präparieren.

Ob es Video-Games, Tischtennis, Billard oder Tischfussball war, Bücher, Zeitschriften oder ob es um den Anruf nach Hause ging, alles war möglich. Es gab 2 Kino’s und natürlich hatten wir von Anfang an eine BX, die jeden Tag mehr Produkte bekam und jetzt wahrscheinlich auch den Ansprüchen von “Achim BX-Burger” gerecht werden würde. Die Besatzungen hatten jedoch kaum Zeit, diese Einrichtungen zu nutzen.

Fast jeden zweiten Tag waren wir im Flugdienst und nicht selten erreichten wir die maximale Flugdienstzeit (18 Std.).

Insgesamt flog unsere Besatzung fast 400 Flugstunden. Die Einsätze in Afghanistan wurden überwiegend nachts und unter NVG’s (Night Vision Goggles) durchgeführt. “Bedrohliche Ereignisse” und kleinere Zwischenfälle waren an der Tagesordnung und waren nicht nur auf das Zielgebiet beschränkt.

Wie aus den Medien bekannt, verloren die US-Marines eine KC-130 im Einsatz, die Besatzung kam dabei ums Leben. Angesichts dieser und anderer Ereignisse waren wir froh, gesund und unbeschadet den langen Einsatz überstanden zu haben. Es war für alle Besatzungsangehörigen eine ganz besondere persönliche und fliegerische Erfahrung. Nie zuvor spielte der Lufttransport eine so wichtige Rolle, wie in dem andauernden Konflikt mit Afghanistan. Von der Munition bis zum Trinkwasser muss alles benötigte Material für die Soldaten vor Ort eingeflogen werden. Besatzungen und Techniker der 40th AS produzierten während der 3 ½ Monate 7.000 Flugstunden. Es wurden in dieser Zeit mehr “Combat Hours” geflogen, als in jedem anderen Konflikt zuvor - seit dem Vietnam Krieg.

Unsere Staffel wurde planmässig von “Little Rock” abgelöst. Für die Rückverlegung wählten wir eine “Westroute” über Souda, Keflavik und Westover nach Dyess, sowie eine “Ostroute”.

Alle Maschinen sollten sich am 18. März 2002 in Dyess treffen. Unsere Route führte uns über Diego Garcia nach Thailand. Japan und Guam waren weitere Zwischenstationen auf dem Weg nach Kwajalein, einer kleinen Insel der “Marshall Islands”.

Die Datumsgrenze überflogen wir auf dem Weg nach Hawaii. Als krönenden Abschluss dieser Reise um die Welt, überflogen wir die Golden Gate Bridge und machten einen Vollkreis über Alcatraz, bevor wir – dann wieder IFR - nach Travis weiter flogen.

Die Treffpunktaufgabe wurde am letzten Tag der Reise erfüllt. Nur eine C-130 hatte eine “STOE(H)R”- Meldung und traf mit 5 Stunden Verspätung ein. Alle anderen Herks trafen sich wie vereinbart und landeten bei relativ schlechtem Wetter - aber ohne Schnee, in Dyess! Eine tolle Leistung der Besatzungen und Techniker.

War es doch Jules Vernes, der die Reise um die Welt in 80 Tagen beschrieb, so brauchten wir ‘nur’ 80 (Flug) Stunden. Zugegeben, wir erlebten auch nicht ganz so viele Abenteuer, aber sicher war es auch nicht das letzte Mal...