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Oberstabsarzt Martin Ulbrich
Eigentlich sollte es ein ganz normaler Flug sein:
Passagiere über Souda (Kreta) nach Dschibuti fliegen, einen Stehtag
dort verbringen, anschließend wieder zurück. Aber es kam
dann doch anders:
Die Passagiere stellten sich als Marinedelegation
zur „Überprüfung der Standorttauglichkeit“ von
Dschibuti vor. Nach einem angenehmen Flug (mit Beförderung eines
Marinesoldaten via Funk über der Adria) erreichten wir Souda.
Am nächsten Tag stand der Flug nach Dschibuti auf dem Programm.
Nach 7,5 Std. Flugzeit konnten wir unsere Transall bei den Franzosen
abstellen und erste Bekanntschaft mit den klimatischen Verhältnissen
machen: es war ca. 19:30 Uhr Ortszeit, 35°C warm und sehr feucht.
Nach abenteuerlicher Fahrt in einem Bus, der jedem TÜV-Prüfer
ein breites Grinsen ins Gesicht gesprengt hätte, erreichten wir
unser Hotel, indem noch kräftig der Geburtstag des Crew-Arztes
einer weiteren Transall des Lufttransportgeschwader 63 gefeiert wurde.
Die Marinedelegation überprüfte in den
folgenden Tagen die Tauglichkeit des Standortes Dschibuti. Es galt
verschiedene Parameter wie Unterbringungsmöglichkeiten, Verpflegung,
sanitätsdienstliche und allgemeine Versorgung, rechtliche Fragen
usw. abzuklären. Es war daher schnell deutlich, dass wir länger
als einen Tag in Dschibuti bleiben würden.
Wegen
meiner französischen Sprachkenntnisse baten mich die Kameraden
der Marine, Teile ihrer Delegation zu begleiten. Somit hatte ich die
Gelegenheit, Dschibuti etwas näher kennenzulernen. Ich schloss
mich daher dem Teil der Delegation an, der die sanitätsdienstliche
Versorgung der evtl. hier stationierten Soldaten abzuklären hatte.
Nach dem Besuch des – stark renovierungsbedürftigen –
Gesundheitsministeriums besuchten wir das zivile Krankenhaus. Dort
wurden die lokalen Möglichkeiten einer Versorgung erörtert.
Der Standard dieser Klinik entsprach zwar nicht dem, was man von einem
europäischen Kreiskrankenhaus gewohnt ist; es war allerdings
auch nicht so schlimm,wie man es vielleicht erwartet hat. Es stellte
sich jedoch heraus, dass die Versorgung in bestimmten medizinischen
Bereichen nicht zu gewährleistet war, so dass dieses Krankenhaus
für die Versorgung deutscher Soldaten nicht zur Disposition stand.
Einen Tag später besichtigten wir das französische
Militärhospital. Wir wurden sehr freundlich empfangen und ausführlich
über die lokalen Verhältnisse informiert. Es zeigte sich,
dass man hier über alle Möglichkeiten der für einen
solchen Rahmen benötigten medizinischen Versorgung verfügt:
Neben einer chirurgischen, intensivmedizinischen, internistischen
und radiologischen Station befinden sich zusätzlich noch ein
medizinisches Labor mit sehr breitem Spektrum, eine Zahnarztgruppe
und sogar ein Geburtshaus mit ca. 600 Geburten pro Jahr. Der französische
Generalarzt war sehr kooperativ und sagte jegliche Unterstützung
zu. Allerdings betonte er, dass die alltägliche, truppenärztliche
Sprechstunde aufgrund mangelnder personeller Kapazitäten nicht
übernommen werden könne. Bei Problemfälle oder schwerwiegenden
Erkrankungen stünden aber alle Möglichkeiten einer medizinischen
Betreuung bereit. Für die nach Dschibuti verlegten Truppenteile
ist daher eine sehr gute medizinische Versorgung gewährleistet.
Ein
weiterer zu berücksichtigender Aspekt stellen allgemeinmedizinische
Belange dar: Malariainfektion, Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes,
Infektionen etc.. Zu Risiken und Nebenwirkungen ...
Die Franzosen berichteten weiterhin über eine
hohe AIDS- bzw. HIV-Rate der Bevölkerung, v. a. der Prostituierten;
auch hier ist gezielte Aufklärung und Information der eingesetzten
Truppenteile zwingend erforderlich.
Abends stand ein Besichtigungspunkt besonderer
Güte auf dem Programm: ein Besuch im Schlachthof, um den Unterschied
zwischen der üblichen, einheimischen und der deutlich teureren
– „europäischen“ – Schlachtung mit den
entsprechenden Fleischkontrollen kennenzulernen. Die Situation war
so eindeutig, dass keine Diskussion bzgl. eines höheren Fleischpreises
aufkam! Nichts für schwache Nerven ...
Die politische Entwicklung hat gezeigt, welchen
Umfang der Einsatz in Afghanistan und damit auch verbunden am Horn
von Afrika mit sich bringt. In Dschibuti wurde schnell deutlich, welche
Probleme und welche Grenzen Mensch und Material in einem solchen Einsatz
aufoktroyiert werden.
Trotz eines lt. Angaben der einheimischen Bevölkerung
strengen Winters in Dschibuti – ca. 40°C im Schatten –
wurde klar, dass die klimatischen Bedingungen das größte
Problem darstellen würde: Im Sommer steigt das Thermometer auf
durchschnittliche 55°C im Schatten; auf dem Flugfeld in praller
Sonne sind allerdings auch Werte von 80°C im realistischen Bereich.
Französische Legionäre trinken bei Feld-Einsätzen in
diesem Zeitraum bis zu 16 (!) Liter Wasser am Tag, die Wasserversorgung
ist allerdings gewährleistet. Auch für Maschinen und technisches
Gerät stellt die Hitze ein Problem dar: Wie startet man eine
Transall bei Temperaturen über 45°C? ...
Nachdem die „praktische“ Arbeit getan
war und wir noch etwas Freizeit hatten, konnten wir noch etwas über
den Markt von Dschibuti stöbern (vielmehr konnten die Fliegen
uns aufstöbern) und das ein oder andere Andenken mit nach Hause
nehmen.
Außerdem war es eine besondere Erfahrung,
am Nikolaustag bei solchen Temperaturen einen Pool aufsuchen zu können.
Wahrscheinlich wird im Rahmen der laufenden Einsätze eine erhöhte
Frequentierung des Flugplatzes von Dschibuti stattfinden. Es ist ratsam,
sich vorher über die – u. a. medizinischen – Aspekte
dieser Region zu informieren.
Unser Rückflug ließ uns die klimatischen
Bedingungen am eigenen Leib erfahren: Morgens um 8 Uhr wurde die Maschine
klar gemacht. Unser Wart SU André Sternberger, Ladungsmeister
OF Claus Sonntag und der BT HF Andreas Wünsch hatten schnell
ihre Kombis einen Ton dunkler gefärbt, dem Kommandanten OLt Jan
Ehresmann und seinem Co OLt Thorsten Pohl erging es beim Check ähnlich....
Der Weihnachtsbaum im Hotel in Souda erinnerte
uns dann endlich daran, dass wir bereits den 2. Advent vor der Tür
hatten. Der dichte Nebel in Hohn einen Tag später trug ein Übriges
zur Eingewöhnung in norddeutsche Verhältnisse bei. 
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