Vier Monate Flugplatzkontrolldienst
(Sarajevo)

Artikelauswahl

 

Autor: Oberleutnant Dirk Möller

Dienstag, 17 April 2001, 03:45 Z. Abflug von Hohn mit der Transall nach Sarajevo. Der „langersehnte“ Tag war gekommen, und ich wusste nicht was mich die nächsten vier Monate erwarten würde, ausser dass ich Dienst als Flugsicherungs­kontroll­offizier auf dem Tower des Internationalen Flughafens von Sarajevo zu leisten hatte. Ich muss gestehen, dass ich ein wenig Flugangst habe, aber der Pilot, Hptm Duysen, beruhigte mich mit einem der Situation angemessenen Witz, so dass ich mich schließlich gut gelaunt anschnallte. Ich hoffte, dass das Wetter in Sarajevo gut sein würde, damit der Pilot einen Sichtanflug machen konnte. Natürlich war der Flugplatz IMC, sprich schlechtes Wetter, wir hatten 6 Knoten Rückenwind, ILS war aufgrund der falschen Anflugrichtung nicht möglich und der TACAN-Anflug bei diesem Wetter nicht empfehlenswert. Egal, es war 08:30 Z und wir landeten butterweich in Sarajevo.

An seinem Arbeitsplatz im Tower von Sarajevo: OLt Dirk Möller

Verantwortlich für die Flugsicherung in Sarajevo seit Beginn des internationalen IFOR-/SFOR- Einsatzes in Bosnien-Herzegowina, ist die französische Luftwaffe. Zunächst wurde nur militärischer Luftverkehr, inzwischen wieder zivile Flüge, wie die der Lufthansa, Swiss Air, Austrian Air usw., abgewickelt. Seit September letzten Jahres stellt die Deutsche Luftwaffe jeweils für vier Monate zwei Fluglotsen zur Unterstützung ab. Die Zusammenarbeit mit den Franzosen des Detachement Air (DETAIR) klappte hervorragend, das Verhältnis war ausgesprochen freundschaftlich. Die Franzosen waren beeindruckt von der fachlichen Kompetenz der Deutschen, und das Arbeiten hat allen viel Spaß gemacht. Wir hatten die Aufgabe, alle Flugbewegungen in der Kontrollzone zu kontrollieren und mit den Kollegen von der Anflugkontrollstelle zu koordinieren. Die Kon­trollzone hat einen Radius von 5 Nautischen Meilen und eine Höhe von 3000 Fuß.

Der Flughafen von Sarajevo

Am interessantesten war die Abwicklung des multinationalen Hubschrauberverkehrs. Neben zwei Hub­­schrauberlande­plätzen direkt am Flughafen be­fanden sich noch mehrere Helipads in den zwei großen Feldlagern Raj­lovac und Butmir. Zu meiner Zeit waren 10 Nationen am Platz, die mit 15 verschiedenen Hub­schrau­ber­typen und mindestens 30 verschiedenen Rufzeichen, die uns täglich beglückten. Das deutsche Heer flog mit der CH-53 mit dem Rufzeichen LILI, Heer oder Luftwaffe die UH-1D mit dem Rufzeichen MARLENE. Einfach, aber gut. Die Amerikaner, ich glaube die meisten kamen aus Texas, flogen zwar hauptsächlich nur die UH-60, hatten dafür aber viele gleichklingende Rufzeichen, wie z.B. NIGHT­HAWK, REDHAWK oder REDDOG.

In Bosnien-Herzegowina bekommt jeder Soldat (wie bekannt ist) zusätzlich zum Gehalt noch 130,- DM Aufwandvergü­tungszulage steuerfrei pro Tag. Bevor ich aus Hohn abflog, sagte mir jemand, dass ich ja als „reicher“ Mann nach Deut­schland zurück kommen würde. Ich kann nur sagen, das stimmt!

Spätestens jetzt weiß ich, dass ich ein reicher Mann bin zu Hause sein zu dürfen, bei meiner Frau und meinen vier Kindern.