Pozwolenie na ladowanie! Cleared to land!
(Alt Duvenstedt)

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Autor: Oberleutnant Mariusz Lis

Im Rahmen der NATO-Übung „Clean Hunter“ wurde unter anderem ein Flugsicherungs-kontrolleiter gesucht, der die polnische Sprache beherrschte, um während der Übung auf einem polnischen Flugplatz als „Emergency-Controller“ eingesetzt zu werden. Da ich wohl einer der wenigen bin, der die Voraussetzungen erfüllt, musste ich nicht einmal mit dem Kopf nicken, denn ich war bereits gemeldet.

Schon die Anfangsschwierigkeiten zeigten kein gutes Omen für meine Kommandierung nach Powidz in Polen.

Die Anreise
Der geplante Hubschrauberflug wurde nach mühsamen Vorarbeiten und etlichen Telefonaten in letzter Minute abgesagt,. ein Dienstkraftfahrzeug konnte nicht bereit gestellt werden, also musste mein Auto dran glauben. Heute in Polen morgen gestohlen, waren die Sprüche, die ich auf dem TWR ständig zu hören bekam.

Der polnische Flugplatz in Powidz aus der Sicht des Towerpersonals

Mittwoch, 13.Juni 06:00 Uhr, und los ging´s. Die 500 km zur polnischen Grenze habe ich reibungslos zurückgelegt. Die 300 Km in Polen waren sehr anstrengend. Die Strecke von Frankfurt an der Oder nach Warschau ist die Hauptrute nach Russland. Ein LKW folgt dem Anderen und ein Überholen ist wegen der enormen Spurrillen kaum möglich. So benötigte ich für diese relativ kurze Strecke 5 Stunden.

Ein freundlicher Empfang in Powidz entschädigte mich allerdings für diese Strapazen.

Der Vorteil der Anreise mit meinem Auto war, dass ich völlig flexibel und unabhängig von dem polnischen Fahrdienst agieren konnte.

Ich hatte die Wahl mit dem Fahrdienst um 0630loc zum Flugplatz und nach Flugdienstende gegen 2100loc zum Hotel zu fahren.

Ich entschloss mich die 11km, 4 mal am Tag mit meinem Fahrzeug zu fahren.

Die Wartezeit
Sofort nach meiner Ankunft schlug die gut durchdachte Planung erbarmungslos zu, denn die entsprechenden Dienststellen hatten am Mittwoch ihren Dienst bereits beendet, am nächsten Tag war ein Feiertag und am Freitag hatte die polnische Armee frei bekommen. Warum musste ich also so früh anreisen????????

So waren die ersten Tage dort längsten, da kein Flugverkehr stattfand, und die Übung erst fünf Tage später begann. Also verbrachte ich die meiste Zeit in meinem Hotelzimmer ( ohne Telefon aber mit polnischem. Fernsehen). Oh, meine Handy-Rechnung möchte ich nicht sehen!!!!!

Die Sprache
Sehr amüsant war es auch, wenn ich einem der Vorgesetzten vorgestellt wurde und dieser dann versuchte in englisch einige Fragen zu stellen und die Antwort auf polnisch kam.

Die ersten Tage über war es noch schwierig die passenden Worte zu finden, doch nach einiger Zeit fiel es mir immer einfacher flüssig zu reden.

Die Übung
Der lang ersehnte Montag war da. Mit voller Erwartung fuhr ich zum Dienst auf dem Kontrollturm. Es passierte nichts. Die allgemeine Stimmung in Powidz wurde durch einen Flugunfall, der sich in der Nacht vor meiner Anreise ereignete, überschattet, deshalb waren die polnischen Luftfahrzeuge SU22 waren für unbestimmte Zeit stillgelegt und die langersehnten NATO-Flieger blieben aus.

In den folgenden zwei Wochen habe ich gelegentlich einmal einen Flieger zu sehen bekommen. Es reisten unter anderem an: eine AN 2, mehrere TS 11( kleine Schuljets), MI 24, JAK 40, AN 26, MI 8 und noch einige andere Raritäten.

Zur Abwechslung hörte ich die Übungsfrequenz ab, um wenigstens ein paar andere Worte als Polnisch wahrzunehmen.

Zu Beginn der Übung habe ich bei den verschiedensten Stellen versucht, irgend welche Details über die Übung zu erfahren, da ich ja nicht 24 Stunden auf dem Kontrollturm sitzen konnte. Am Dienstag rief dann plötzlich der polnische S2 an und fragte, ob ich denn eine Ermächtigung hätte. Ich hatte keine dabei, also musste dringend eine Ermächtigung her. Ich versuchte auf dem Dienstweg ein Gespräch nach Hohn zu bekommen. Ein Vorgesetzter verwies mich an den nächsten, bis ich schließlich eine Genehmigung bekam. Die Vermittlung war jedoch nicht in der Lage eine Verbindung herzustellen.

OLt Lis an seinem Arbeitsplatz

Mein Handy musste dran glauben. Vielen Dank an Major Büddecker sowie unseren S2 für die rasche Bearbeitung meines Anliegens. Die Ermächtigung war nach kurzer Zeit per Fax eingetroffen. Es verging keine halbe Stunde, und ich hatte einen etwa 20cm hohen Stapel Papier vor mir liegen. Es waren Mission Reports sowie die Flugrouten für die Übung „Clean Hunter“. Keiner der polnischen Kameraden konnte damit etwas anfangen, weil alles in englisch geschrieben war. Jeden Tag trafen gleiche Mengen Papier für mich ein, mit den auch ich zum größten Teil nichts anfangen konnte.

Die Flugsicherung
Das Arbeiten auf dem polnischen Kontrollturm benötigt keine großartige Einarbeitung.

Für alle militärischen Flugplätze in Polen gibt es keine veröffentlichten Anflugverfahren und die zwei Frequenzen zur Durchführung des Flugbetriebes hat man in wenigen Minuten gelernt, so ist es relativ einfach eine „polnische“ Arbeitsplatzberechtigung zu erlangen.

Die polnischen Controller bei der Arbeit

Die gute Ausbildung zum Fluglotsen in Deutschland hat bei den polnischen Fluglotsen für Bewunderung gesorgt. Da kommt Einer aus Deutschland mit verschiedenen Lizenzen (in Polen gibt es keine Lizenzen und auch keine Arbeitsplatzzulassungen), der englisch spricht und sich vor allem auf Polnisch mit uns unterhalten kann. Ich wurde sehr oft darauf angesprochen in welcher Schule in Deutschland die polnische Sprache gelehrt wird

Die Flugsicherung in Polen ist auf den militärischen Flugplätzen sehr einfach.

Flüge, die stattfinden sollen, müssen zunächst mehrmals genehmigt werden und wenn sie stattfinden, fliegt nichts anderes. Dieses System würde uns die Arbeit in Hohn sehr vereinfachen. (Heute nur Departure und morgen nur Arrival. Keine Tactical Approaches oder Pilot Checkflights, was wäre das für ein langweiliger Flugverkehr.)

Einige Beispiele aus der Praxis: Ein Hubschrauber möchte die CTR kreuzen, es wird abgelehnt, weil in etwa einer halben Stunde drei kleine Schuljets TS11 starten.

Der halbe polnische Luftraum war während der Übung für den gesamten mil. Luftverkehr gesperrt, auch wenn in Polen nicht geflogen wurde. Allein die Tatsache, dass eine NATO Übung stattfand und irgendwo in Holland oder GB geübt wurde, veranlasste die Polen den Luftraum zu sperren. Sicherheit ist oberste Priorität.

Ich musste über diese Unflexibilität sehr oft Schmunzeln, da dieses bei uns nicht vorstellbar ist. Die Sportflieger haben ganz schlechte Karten. Fliegt etwas militärisches, bleiben sie am Boden.

Die polnischen Fluglotsen erhoffen sich grundlegende Reformen der mil. Flugsicherung in Polen, es wird aber noch einige Zeit dauern, bis sich die mil. Führung bereit erklärt nach ICAO Standard, wie es auf den ziv. Flugplätzen in Polen ist, zu arbeiten.

Resümee
Für mich hat diese Kommandierung positive und negative Aspekte gehabt.

Als positiv erwies sich die Gastfreundlichkeit der polnischen Kameraden und die Lage des Flugplatzes. Dieser befindet sich nämlich in einem Wald und Seengebiet im Zentrum Polens, ein fantastisches Revier für Angler, Naturfreunde und Pilzsammler.

Der Tower in Powidz von aussen

Negativ war vor allem die mangelhafte Vorbereitung durch die verantwortlichen Dienststellen.

Es kann nicht sein, dass ein Soldat einfach irgendwohin kommandiert wird und alles alleine regeln muss. Der Vorteil meiner Sprachkenntnisse hat dazu beigetragen, dass die Übung für unsere und die polnischen Verhältnisse planmäßig verlaufen ist. Es macht keinen Sinn einen Fluglotsen nach Polen zu kommandieren, der die Sprache nicht beherrsch, denn Englisch sprechen nur die Ausnahmesoldaten.

Ich kann trotzdem jedem empfehlen einmal nach Polen zu Fahren. Es ist eine Reise wert, wenn nicht dienstlich dann privat.