Ein weiteres Stück Glasnost
 

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Autor: Major Bernd Reinwarth

Es begann mit einer Anfrage an unseren Verband, ob wir in der Lage seien, einen Stabsoffizier aus einen Nicht - NATO - Land für etwa 3 Wochen im Mai diesen Jahres zu betreuen. Nach sorgfältiger Prüfung aller Begleiterscheinungen wie militärischer Vorhaben und Personalverfügbarkeit kam ich zu dem Schluß, diese Anfrage negativ zu beantworten. Nach zwei bis drei Wochen der Ruhe bekam unserer Verband den Auftrag einen mongolischen Stabsoffizier im Range eines Oberstleutnant im Zeitraum 02.-18. Mai 2001 zu betreuen. Ergänzend zur nüchternen Aufgabenstellung ihm die Teilnahme am normalen Dienstalltag im Verband zu ermöglichen, bestünde ein wesentliches Ziel darin, seine Deutschkenntnisse zu vertiefen und Land und Leute kennenzulernen. Damit hatte sich die ganze Sache schon etwas konkretisiert und ich begann einen Dienstplan zu erstellen und unvermeidliches zu organisieren. Pünktlich mit der Eisenbahn traf dann unser Gast Oberstleutnant Toogondorj ein. Schnell haben wir uns auf die etwas einfachere Anrede „Togo" geeinigt. Nach dem erfolgreichen Einchecken in einen der 13ner Blöcke unseres verbandseigenen Hotels begannen erste Gespräche und wir erfuhren:

Oberstleutnant Toogondorj

Oberstleutnant Toogondorj ist ausgebildeter Luftfahrzeugtechnischer Stabsoffizier für Flugzeugbewaffnung von Jagdflugzeugen und war zuletzt als solcher eingesetzt im Führungskommando der mongolischen Luftstreitkräfte. Seit August 2000 ist er am Bundessprachenamt in Hürth und lernt die deutsche Sprache. Nach seinem Praktikum bei uns wird er seine Sprachausbildung abschließen und am internationalen Generalstabslehrgang an der Fürungsakademi im Hamburg teilnehmen. Er ist verheiratet, wohnhaft in Ulan-Bator und hat zwei Söhne die, wie er selbst auch, reiten können.

Nach einer Ergänzung seines Zimmers mit ein paar nützlichen Gegenständen wie Radio und Fernseher aus privatem Besitz statteten wir Togo auch mit einem Fahrrad aus. Nach den ersten Eindrücken im Verband zeigte ich ihm am Wochenende die Ost- und Nordseeküste von Schleswig-Holstein an je einem Tag. Das Wochenende beendeten wir am Sonntag mit Kaffee und Kuchen bei meinen Freunden in Leck. Bei unseren Ausflügen zeigte er sich immer wieder beeindruckt von der Schönheit des norddeutschen Landes und machte reichlich Fotos. In zahlreichen persönlichen Gesprächen erfuhr ich auch sehr viel über die gesellschaftlichen Veränderungen in seiner Heimat, der Mongolei. So gibt es nach Glasnost die etwa zeitgleich mit dem Zerfall der ehemaligen Sowjetunion einher ging auch ein Mehrparteiensystem und eine demokratisch gewählte Regierung welche zur Zeit durch die Kommunistische Partei geführt wird. Das Land hat rund zwei Millionen Einwohner und 32 Millionen Tiere wie Pferde, Schafe, Rinder und dergleichen. Mobiltelefonieren kann man nur in der Hauptstadt. Seine Eltern wohnen 300 km von Ulan-Bator entfernt. Um sie zu besuchen braucht er mit seinen Auto mehr als zehn Stunden. Er brachte mir gegenüber immer wieder zum Ausdruck wie sehr er sich freut über die ihm überall entgegengebrachte Gastfreundlichkeit und Herzlichkeit so unter anderen auch bei der Teilnahme an einem Treffen einer alten Seefliegerkameradschaft in Travemünde. Mit der Teilnahme an einem Flug mit der TRANSALL dürfte sich die Fliegende Gruppe bei ihm in bleibender Erinnerung gebracht haben. Genau so gefallen haben ihm die Demonstrationen der Fliegerhorstgruppe. Togo wird noch einen Truppenbesuch bei den Marinefliegern in Eggebeck durchführen und das Marinedenkmal in Kiel besichtigen. Danach geht es, so wie ich glaube, mit bleibenden positiven Erinnerungen zurück nach Hürth.

An dieser Stelle möchte ich mich bei all jenen bedanken die mich bei der Vorbereitung und Durchführung dieses Truppenpraktikum‘s unterstützt haben.