Zum 3. Mal Kosovo und zurück
 

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Autor: Oberleutnant Mirko Koppe

Am 13.11.2000 flog mit etwa 2-stündiger Verspätung eine Transall über Köln-Bonn nach Landsberg. An Bord drei Angehörige der 2. Staffel /LTG 63 auf dem Weg nach Toplicane, Kosovo.

Sie hatten das Vergnügen über Weihnachten und Neujahr bei KFOR im Einsatz zu sein.

Für alle drei war es nicht das erste Mal. So war die Ankunft und der Anblick des Lagers nichts Ungewohntes. Jedoch am Aufbau und der Organisation des Lagers hatte sich in den letzten Monaten eine Menge getan.

Ich möchte meinen Bericht in zwei Teile gliedern, 1. Dienst, 2. Außerdienstliches. Beginnen wir mit dem, weshalb wir dorthin mussten.

In den letzten 1½ Jahren ist das Auftragsvolumen für die fliegende Abteilung stark gesunken. Ein Großteil der Flugstunden wird TCTP geflogen. Nur 1 bis 2 Hubschrauber der in Toplicane stationierten 11 Hubschrauber (6 UH-1D, 3 CH 53G) haben täglich einen Auftrag.

Zerstörte Gebäude in der Ortschaft Sredska nach der Explosion

Es gibt natürlich auch Ausnahmen von der Regel. Das Aufgabenspektrum hat sich seit Beginn des Einsatzes nur in Teilbereichen geändert. So sind die Flüge für UNMIK auf der Suche nach Massengräbern weggefallen. Hinzugekommen sind verstärkt „Polizeieinsätze“. Ich möchte zwei Einsätze schildern, an denen ich teilgenommen habe. Zum einen die Suche nach einem Flüchtigen im Zusammenhang mit einem Bombenanschlag und die Jagd nach einer Schmugglerbande.

Am 14.12.2000 gegen 16:45 erschütterte die Ortschaft Sredska eine Bombenexplosion.

Da unsere Maschine auf Abruf für die Brigade bereitstand, wurden wir angefordert. Wir flogen von Toplicane nach Prizren und nahmen 3 Feldjäger auf. In Sredska angekommen, stieg noch einer zu. Bis zu diesem Zeitpunkt wusste keiner von der Besatzung was genau vorgefallen war und was unser genauer Auftrag war. Es stellte sich heraus, dass ein leer stehendes Haus, vermutlich von Serben, gesprengt wurde. Dabei wurde ein weißes Auto beobachtet. Und dieses sollten wir jetzt suchen. Es war davon auszugehen, dass der/die Fahrer bewaffnet sind. Dumm nur, dass die Körperschutzweste hinten im Hubschrauber lag und ein Anziehen während des Fluges unmöglich ist. Mit etwas Glück gelang es uns, das Auto bereits nach ca. 5 Min zu finden. Da die Hubschrauber der Luftwaffe jedoch nicht mit einem FM- Gerät ausgerüstet sind, war es den Feldjägern unmöglich, die Bodenkräfte zu informieren. Der weiße Golf fuhr eine sehr enge Straße zu einer in den Bergen gelegenen Ortschaft hinauf. Eine Anlandung auf dieser Straße war aufgrund des Verkehrs nicht möglich. Somit konnte der Wagen ungestört in den Ort einfahren. Der Golf hielt vor einem Haus und die Insassen stiegen aus und verteilten sich.

Ort des Geschehens

Da die Feldjäger nach Möglichkeit die Personalien der Personen feststellen wollten, entschieden wir uns auf dem Sportplatz zu landen. Der wurde gerade von einer Menge Kinder benutzt. Erst im letzten Augenblick wurde das Spielfeld geräumt. Die MP stürmte mit gezogenen und fertig geladenen Waffen Richtung Haus. Da saßen wir nun allein in unserem Hubschrauber, ungesichert in alle Richtungen gleichzeitig blickend, den Hubschrauber jederzeit fertig zum Notstart. Wir wussten ja nicht, wie sich die Einwohner uns gegenüber verhalten würden. Aber die Lage blieb ruhig. Nach einiger Zeit kamen die Feldjäger ohne einem direkten Ergebnis zurück und wir verließen den Ort des Geschehens. Der Ort wurde für eine genauere Untersuchung (Razzia) vorgemerkt.

Einige Wochen später hatte ich in der selben Gegend, in der Nähe zur mazedonischen Grenze, ein weiteres Erlebnis der besonderen Art. Eine Schmugglerbande war beim illegalen Grenzübertritt in den Kosovo beobachtet worden. Da wir an diesem Tag sowieso in diesem Gebiet mit dem S2 einer dort stationierten Feldjägerkompanie einen Aufklärungsflug machen wollten, nahmen wir uns der Sache an. Die Spuren waren in dem frisch gefallenem Schnee schnell und leicht auszumachen. Wir verfolgten diese Spuren talwärts und entdeckten die Schmuggler. Es waren 3 Personen mit 9 Pferden. Auch hier machte sich die fehlende Ausrüstung (FM) bemerkbar. Es war uns nicht möglich, den dortigen Kompaniegefechtsstand zu informieren, so dass Bodenkräfte die Schmuggler vor Erreichen der Ortschaft abfangen konnten. Wir mussten schnellstmöglich zurückfliegen, damit der S2 dies persönlich übernehmen konnte. Bei Rückkehr ins Einsatzgebiet sahen wir, dass die Schmuggler Fersengeld gegeben hatten. Sie waren schon sehr weit den Berg hinab gestiegen. Die Bodenkräfte würden es nicht mehr rechtzeitig schaffen. Wir entschlossen uns, die an Bord befindlichen Feldjäger mittels Außenlandung abzusetzen.

Landung auf dem Sportplatz

Danach versuchten wir die Pferde und somit die Schmuggler mittels einiger tiefer Überflüge aufzuhalten, was uns auch einigermaßen gelang.

Die Pferde konnten durch die Soldaten überprüft werden. Ein Ergebnis ist mir nicht bekannt.

Die restlichen Flüge waren Pers.- und Mat. Transport und Medevac und eben TCTP.

Der Heeresfliegerfeldflugplatz hat sich seit meinem zweiten Einsatz dort in großen Teilen geändert.

Das Auffälligste war, dass die Niederländer weg waren. Die gemischte Heeresfliegerabteilung ist jetzt der alleinige Nutzer des Platzes. Als erstes wurde eine Kontrollzone und ein Tower errichtet und man begann das Gelände neu aufzuteilen.

Eine große Wartungshalle für Hubschrauber und die Kfz-Staffel wurden errichtet. Der Flugbetriebsbereich wurde mit Lampen ausgestattet, so dass man nachts jetzt nicht mehr in ein schwarzes Loch fällt.

Der Bereich des Stabes war immer noch in Zelten tätig, ein 3stöckiges Gebäude war in Planung.

Die Wasserversorgung, die ersten Monate ein akutes Problem, klappt jetzt reibungslos.

Das Lager wurde an das öffentliche Netz angeschlossen und nachdem das Wasser durch eine Wasseraufbereitungsanlage geflossen ist, steht es in sehr guter Qualität in mehr als ausreichender Menge zur Verfügung. Es kann sogar Wasser an die russischen KFOR Soldaten abgegeben werden, da deren Brunnen nicht mehr benutzbar ist.

Das Essenzelt von den Holländern, von der Bundeswehr für eine Mark erworben, war ebenfalls einem deutschen Verpflegungszelt gewichen. Warum auch immer.

Ein fester Bau für die Küche wurde im Januar fertig gestellt.

Auch die Brennkammer, ein Eigenbau der dortigen Soldaten, war um einen Anbau vergrößert worden. Das neue Internetcafe, Eröffnung leider noch nicht in meiner Zeit, wurde ebenfalls dort untergebracht.

Der größte Teil der Freizeit wurde dort verbracht. Das Verlassen des Lagers zu außerdienstlichen Aktivitäten ist bis zum heutigen Tag leider untersagt.

Big Brother lässt grüßen.

Eine wichtige Freizeitbetätigungsmöglichkeit, das Sportzelt, hat unter der Abreise der Niederländer mächtig gelitten. Die Bundeswehr ist leider nicht in der Lage, profimäßige Sportgeräte zu beschaffen, die auch eine längerfristige starke Benutzung aushalten. Somit fallen z.B. Fahrräder schon nach kurzer Zeit aus.

Alles in allem wird die Organisation im Lager und auch mit den anderen Dienststellen immer besser, d.h. nicht, dass es keine Reibungspunkte gibt.