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Autor: Stabshauptmann Rudi Reimann
Im Rahmen einer Ausrüstungshilfe hatten wir
den Auftrag, medizinische Hilfsgüter in den Jemen nach Sanaa
zu transportieren. Wir, das waren der Stabshauptmann Reimann, die
Copiloten Oberleutnant Männel und Oberleutnant Miedtke, der Bordmechaniker
Hauptfeldwebel Hagge, der Ladungsmeister Stabsfeldwebel Wolloscheck
sowie der Wart Feldwebel Bernardi und der Stabsarzt Lamprecht.
Die Flugroute führte als Weiterbildungsflug
über Kenia, Reunion und Südafrika nach Namibia sowie über
Gabun, den kapverdischen Inseln und Portugal zurück nach Hohn.
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| Die geflogene Route in Afrika |
Für den unbedarften Leser hört sich die
Strecke wie ein Urlaub der besonderen Art an, träumt man doch
als Tourist von Sommerstränden im Indischen Ozean oder von Safaris
durch Kenia und Namibia. Bei einem Auftrag wie wir ihn durchzuführen
hatten, ist die Realität aber weit von einer Urlaubserholung
entfernt.
Wir, die fliegenden Besatzungen in den Lufttransportgeschwadern,
müssen uns um die Vorbereitung der Flüge selbst kümmern.
Die Vorbereitung erstreckt sich nicht nur auf die Flugroutenplanung,
nein, wir müssen uns auch um unser leibliches Wohl selbst kümmern,
was bedeutet, dass man sich in der Besatzung schon mindestens eine
Woche vor dem Abflug zusammensetzt und festlegt, was an Verpflegung
und Marketenderware mitgenommen werden muss, da wir uns an Bord selbst
verpflegen müssen. Bei Flügen in die heißen Gegenden
der Erde ist dabei zu berücksichtigen, dass die Speisen nicht
verderben dürfen. Bei einer geplanten Zeitdauer von 12 Tagen
kommt da schon einiges zusammen.
Bei der fliegerischen Planung wurde schnell klar,
dass es ein wahrhaftig langer Flug wird, da insgesamt 65 Flugstunden
in 9 Tagen geplant waren. Auch wurden uns die Entfernungen zwischen
den Flugplätzen klar, als wird die Strecken Mombasa nach Reunion
und weiter nach Johannesburg vorbereiteten. Diese Strecken entsprechen
nämlich etwa der Entfernung Hohn-Island-Goose Bay mit dem einen
Unterschied, dass wir nicht über den Nordatlantik, sondern im
Bereich des Indischen Ozeans flogen.
Am Montag, den 28. Januar starteten wir dann von
Hohn und flogen nach der Beladung in Köln bis nach Kreta. Am
folgenden Tag sollte es dann nach Sanaa mit einer Zwischenlandung
zum Tanken in Jeddah-Saudi Arabien weitergehen. Bei der Flugvorbereitung
stellten wir dann fest, dass wir zu starke Seitenwinde zum Start hatten.
Den Start erst am Nachmittag bei schwächer voraus gesagten Winden
durchzuführen war nicht sinnvoll, da wir dann unsere maximal
erlaubte Flugdienstzeit überschreiten würden. Angemerkt
sei dabei, dass zum Ende des letzten Jahres die Flugdienst- und Ruhezeitenregelung
der zivilen Luftfahrt aus rechtlichen Gründen eingeführt
werden musste. Dadurch sind Flugdienstzeiten von bis zu 18 Stunden,
wie sie früher üblich waren, passé.
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| "Neptun" bei der Verleihung der Taufurkunden |
Am 31. Januar hatte sich das Wetter gebessert,
sodass der Flug dann weiter bis nach Sanaa im Jemen ging. Die Entladung
nahm viel Zeit in Anspruch, sodass wir erst gegen 21:00 Ortszeit im
Hotel waren. Nach hervorragender Bewirtung durch das jemenitische
Militär setzten wir unseren Flug am folgenden Vormittag nach
Mombasa fort. Auf diesem Teilstück verließen wir beim 40.
östlichen Längengrad die Nordhalbkugel. Da die Copiloten,
der Wart und der Arzt das erste Mal in einem Bundeswehrflugzeug den
Äquator überflogen, war eine Äquatortaufe notwendig.
Der Ladungsmeister verwandelte sich in Neptun und reinigte die Probanden
von außen und innen vom Dreck der Nordhalbkugel. Ab diesem Zeitpunkt
mochte zumindest ein Copilot keine Sahne mehr sehen. In Mombasa angekommen,
wurden wir im Hotel Severin Sea Lodge herzlich empfangen, da mich
der einstige Barkeeper, der sich bis zur Rezeption hochgearbeitet
hatte, wiedererkannte. Einige deutsche Urlauber sprachen uns gleich
in Bezug auf die Hilfsflüge von 1992/93 nach Somalia an, andere
waren verwundert, deutsche Bundeswehrflieger in Kenia zu sehen.
Doch auch hier hatten wir wenig Zeit. Am nächsten
Morgen ging es weiter zur Nachbarinsel von Mauritius. Die Insel Reunion
ist französisch und alle Preise sind neben französischer
Währung schon in Euro ausgewiesen. Auf Reuinon wurden wir vom
französischen Militär betreut. Auf der Insel sind ständig
zwei Transall stationiert. Wir mussten von den Franzosen technische
Unterstützung in Anspruch nehmen, da uns auf dem letzten Teilstück
ein Generator ausgefallen war. Die Insel Reunion ist sehr idyllisch..
Sie ist etwa 80 km lang, 50 km breit und hat einen Berg von über
3000 m Höhe. Hier kommt der passionierte Wanderer voll auf seine
Kosten. Aber dafür hatten wir keine Zeit.
Am folgenden Vormittag starteten wir wegen der
technischen Störung mit 4 Stunden Verspätung. Als wir das
südafrikanische Festland erreichten, war es bereits dunkel und
um uns herum standen überall Gewitter. Obwohl der Himmel und
die Wolken gespenstig von den ständig zuckenden Blitzen erhellt
waren, konnten wir ungefährdet den Flug nach Johannesburg fortsetzen.
Im Hotel angekommen machten wir gerade noch einen kurzen After
Landing Check (für nicht Eingeweihte: geselliges Beisammensein
auf dem Hotelzimmer eines Crewmitgliedes) und fielen dann totmüde
ins Bett.
Der Flug nach Windhoek in Namibia war dann nur
noch ein Katzensprung von 2 Stunden und 55 Minuten, gefolgt von einem
freien Tag in Windhoek. Am Nachmittag dieses Tages wurden wir von
der dortigen Beratergruppe zu einer Lodge gefahren und haben eine
kleine Safari mitgemacht.
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| Löwen beim "Abendmahl" |
Relativ erholt flogen wir dann über Walfis-Bay
nach Libreville in Gabun. Das nächste Teilstück führte
über Cottonou zum Auftanken auf die Kapverden. In Cottonou waren
wir auf uns selbst gestellt, da kein Angehöriger der Botschaft
zum Flugplatz gekommen war. Wir ließen wie üblich das Luftfahrzeug
betanken und gaben den folgenden Flugplan auf. Der Flughafenhalter
forderte die Landegebühren in bar von uns. Um das Geld zu holen,
begab ich mich in Richtung Flugzeug. Der Bordmechaniker kam mir aufgeregt
entgegen und informierte mich, dass hier Barzahlung von über
4.000 $ Dollar für den Kraftstoff gefordert wurden, da Kreditkarten
nicht akzeptiert wurden. Glücklicherweise hatten wir noch genügend
Bargeld an Bord, sodass wir nach Begleichung der Rechnung auch sofort
weiterfliegen konnten. Normalerweise bleiben uns solche Probleme erspart,
wenn wir durch Beratergruppen oder durch Angehörige der Deutschen
Botschaft betreut werden. Am Abend erreichten wir den Flugplatz Franzisco-Mendes
auf der Kapverdeninsel Praia. Hier kümmerten sich das Militär
und die Ehefrau des Botschafters um uns. Dadurch erfuhren wir noch
etwas über Land und Leute. Die Kapverden sind vornehmlich vulkanischen
Ursprungs. Das Land ist karg und die Einwohner sind ziemlich arm.
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| Die Crew bei der Besichtigung einer Festung aus
dem 17. Jahrhundert auf der Kapverdeninsel Praia |
Die nächste Übernachtung hatten wir in
Playa de Ingles auf Gran Canaria. Hierüber brauche ich sicherlich
nicht viel berichten, da die meisten Leser über die Insel besser
Bescheid wissen, als wir berichten können.
Der Rückflug ging dann über Porto in
Portugal zurück nach Hohn.
Insgesamt haben wir auf diesem Einsatz 15170 Seemeilen,
das entspricht ca. 28100 Kilometer, zurückgelegt und waren 65
Stunden und 15 Minuten in der Luft. Während dieser Zeit haben
wir 74885 kg Kraftstoff verbraucht. Mit dieser Menge könnte ein
Einfamilienhaus bei 2500 l Verbrauch etwa 43 Jahre beheizt werden.

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